"Nichts passiert, wenn es nicht gemacht wird"

Im März 2009 sind die ersten Postings auf themashazine.com erschienen. Nach ein paar Jahren des Rumlavierens in anderen Blogs war das der Beginn eines Experiments, bei dem vor allem die Umsetzung von Ideen im Vordergrund steht.
Wie schnell lässt sich etwas ausformulieren, wie nah kommt die Realität an die Pläne und was lässt sich produktiv daraus machen?
Die Entwicklung hat verschiedene Wellenbewegungen durchlaufen: Von ausführlichen, länger durchdachten Postings zu kurzen Notizen und wieder zurück, von praxisnahen Medienthemen zu eher Freestyle-Postings, vom einspurigen Blog zum breiter angelegten Magazin - und immer wieder zurück (und weiter); ein echtes Blog also.
Was heisst das?
Bestandteil des Selbstversuchs ist es auch, in den nächsten Jahren nichts auszulassen, jede Chance zu ergreifen, und zu schauen, was sich daraus entwickelt. Die konsequente Überforderung macht sich bemerkbar, vor allem, was die Zukunftspläne betrifft.
Liegt die Zukunft im Schreiben? In einer schlagkräftigen und mit echter Substanz ausgestatteten Medienagentur? In Entwicklungs- und Managementprogrammen eines internationalen Unternehmens? In Vorträgen und Beratungsjobs? Oder ganz woanders? Etwa in einem Fitnessstudio in Fortaleza oder einem Apartmenthaus neben einer Surfschule auf Fuerteventura? Oder in einem Reitsportzentrum oder einem Boot- und Bikeverleih im Nationalpark?
Oder in einer Kombination aus all dem?
Ein Blog ist das Lebenszeichen nach aussen, das dazu anhält, auch erste Ideen auszuformulieren, das für Bemerkbarkeit sorgt, das aufmerksam macht und auch zu permanenter Überschätzung führt: Natürlich bleibt das nur Schein. Es sind nur Worte, und die Qualität bleibt immer zweifelhaft.
Es ist eine Kleinigkeit, Kontakte zu knüpfen und Position zu beziehen, grobe Pläne zu machen und darüber zu schreiben. Aber kommt dabei wirklich was raus?
Eine entscheidende Erkenntnis nach zwei Jahren Bloggen ist auch: Worüber schreibe ich nicht? Was sind die Ideen und Texte, die auch nach zwei Jahren Dauerproduktion noch immer nicht ihren Weg aufs Papier oder in die Tastatur gefunden haben?
Weil sie nicht durchdacht genug sind?
Weil sie nicht wichtig genug sind?
Weil sie zu wichtig sind?
Weil Blogs und Digitales nicht immer das passende Medium sind?

Was ist also das Fazit nach zwei Jahren als digitaler Medienunternehmer?

  • Nach ein, zwei Jahren setzt eine gewisse Breitenwirkung ein; es gibt keine Tage mehr, an denen die Nutzung gegen Null geht.
  • In Verbindung mit realen Projekten und realen Kontakten steigen Vortrags-, Workshop- und Artikelanfragen ziemlich stark an.
  • Die kommerzielle Relevanz ist bescheiden: Ich schätze den Anteil (aller auf irgendwelchen Wegen auf den Blog zurückzuführenden Einnahmen) an meinem Jahreseinkommen auf 1-3%.
  • Es bleibt immer noch genug Unerledigtes übrig. Ein Blog ist nicht gerade nur ein digitales Wegwerfprodukt, aber meist auch nur eine Begleiterscheinung. Natürlich geht es immer noch um etwas anderes: Die nächste Idee, das nächste Projekt (und auch die bleiben natürlich unvollständig...).
  • Schmerzhaft ist das manchmal dann, wenn kreative Geheimniskrämer genau das als Vorwurf auspacken: Man könne nicht alles sofort umsetzen, gleich loslegen - man müsse überlegen, verbessern, ausbauen... Eh klar. Nichts von dem, was öffentlich ist, ist fertig. Das gilt für mich unabhängig von der konkreten Form. Die Frage ist eher: Kochst du ausschliesslich im eigenen Saft? Oder setzt du dich der Auseinandersetzung aus?
  • Das ist letztlich das Hauptmotiv hinter dem Blog: Nichts passiert, wenn es nicht gemacht wird. Klingt banal, wird aber gerade in kreativen Bereichen gern ignoriert. Was weisst du vom Schreiben, wenn du es nicht gemacht hast? Was weisst du über deine Ideen, wenn du sie nicht ausformulierst und zerlegen lässt? Was weisst du über dich selbst, wenn du dich nicht auf die Bühne stellst und von Reaktionen überraschen lässt?
  • Unbeantwortet ist noch immer die Frage der eigentlichen Zielsetzung. Wobei sich ein Motiv als durchaus vielseitig einsetzbar abzeichnet: Ziel ist es, vom Gedanken "Ich kann/könnte das" zum Bewußtsein "Ich habe das gemacht/versucht" zu kommen.
    Deshalb, und das war von Anfang an die Zielsetzung, gilt es auch, mindestens noch zwei Jahre auf allen Baustellen weiterzumachen.
    Vielleicht kommt das eine oder andere Stealth-Projekt ans Tageslicht (ja, davon gibt es einige), vielleicht gibt es ein Ergebnis, vielleicht auch nicht (nicht in der Form, die sich als praktisch und effizient beschreiben lassen würde).
    Vielleicht zeichnet sich auch ab, was ich von Anfang an vermutet habe: Es ist egal.
    Es ist egal, ob du etwas tust und was du tust; entscheidend ist einfach, ob du damit für dich zurechtkommst. Manchmal klingt das nach Weisheit, manchmal Resignation, manchmal nach dem Fuchs und den sauren Trauben.
    Das ist auch das Problem, das ich mit Zen-orientierten Ansätzen habe. - Mir fällt verzichten zu leicht; ich wäre ja auch mit mir und meinen eigenen Plänen zufrieden. Das ist aber nicht besonders schlau, in einem Business, in dem es zwar durchaus auch um Ideen und Visionen geht, in dem die Bewertungsgrundlage aber wie überall sonst auch nicht das Potential ist, sondern das Erreichte. Nicht: "Was könntest du tun?", sondern: Was hast du gemacht?" ist das Fundament einer komerziellen Realität. - Die wächst langsam, aber stetig, in Richtung Unabhängigkeit - räumlich, zeitlich und persönlich.
    Deshalb ist das auch nur eine kleine unvollständige Zwischenbilanz; es wird weitere zwei Jahre so oder ähnlich weitergehen. Und dann? Im Moent tendiere ich ja eher zu Strandhütte. Aber vielleicht liegt das auch nur am langen Winter... Oder an den wachsenden Bewusstsein, dass was auch immer nur an dem Bemühen liegt, einem faulenden Knochensack irgendeine Form von Relevanz zu verleihen.

    Ja, und das hier gilt natürlich auch noch:

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