Das Geschäft mit der Angst

Ich finde es mittlerweile echt faszinierend, wie sehr Social Media- und Enterprise 2.0 Prediger mitterweile auf Angst setzen. Klar, die Dramaturgie verlangt es: Du brauchst ein Problem, das Du überwinden kannst, damit Du ein Held bist. (Disclaimer: Natürlich ist das polemisch. Aber es soll ja auch Spass machen.)

Aber mal ehrlich: Angst vor negativem Feedback? - So lang es sich nur in Worten ausdrückt? Und nicht in Millionenverlusten?
Vielleicht wäre mal der Perspektivenwechsel angebracht, der den Gewinn an Aktivität und Handlungsfähigkeit anstelle der potentiellen Angreifbarkeit in den Vordergrund stellt. Aber dann stellt sich vielleicht heraus, dass die viele begleitende Beratung nicht notwendig ist. Oder, was noch mehr meiner Erfahrung entspricht: Nie stattgefunden hat. Handeln musst Du selbst; das war immer schon so.
Gegenbeispiele?

Ebenso beliebt ist: Zuhören lernen. Nachdem wir keinen Mangel an guten Ratschlägen haben und in vielen Bereichen jeder vieles besser weiss, sehe ich keinen Mangel an Zuhörgelegenheiten. Der Spass liegt im Entscheiden und Umsetzen: Was machen wir draus? Wie verstehen wir, was wir gehört haben, und wie passt es, einmal mehr, zu den Grenzen unserer Handlungsfähigkeit? Zuhören ist eine wichtige Beschäftigung - für Archivare, Trolls und Therapeuten. Mehr Geräusche erfordern weniger besseres Zuhören sondern strikteres Filtern - und Instrumentalisieren. Ziel des Zuhörens ist in letzter Konsequenz meistens doch das Gehörtwerden, notfalls eben mit einer überarbeiteten Botschaft.

Warum macht das ganze trotzdem Sinn?
Ich denke, dass Unternehmen auch früher Kritik an ihren Produkten wahrgenommen haben. Markt- und Meinungsforschungsberichte waren nicht öffentlich, aber da. Tausend Kommentare im Intranet in ein paar Monaten klingt nach viel - aber was ist das im Vergleich zu zehn- oder fünfzigtausend Rückmeldungen aus einer Oldschool-Mitarbeiterbefragung?
Ganz einfach: Es ist mehr oder weniger öffentlich. Die Auseinandersetzung ist für mehr Betroffene sichtbar und schafft damit Anreize und Verknüpfungen die sich nicht gezielt herstellen lassen.
Warum macht uns das Angst? Weil jemand bessere Ideen haben könnte als wir? Das kann auch nur die Sorge von Beratern sein... :)

Zur Auseinandersetzung mit der eigenen Angst empfehle ich eher Bungy Jumpen oder Freeriden - macht mehr Spass. Oder die vorbehaltlose Auseinandersetzung mit den eigenen, persönlichen Ideen und Zielen - ist weitaus produktiver.

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