Social Media - Lernen

Social Media, soziale Netzwerke erfuellen nicht zuletzt auch die Funktion des Lehrens und Lernens.
Es sind unverhaeltnismaessig stark wachsende, in gewisser Weise selbstheilende Systeme: Wissen waechst nicht nur um die eigenen Beitraege, sondern auch um die der Freunde und direkten Kontakte – und um die Beitraege von deren Kontakten.

Wachsende Systeme

Das gegenseitige Beobachten erfuellt schliesslich nicht nur den Repraesentationszweck oder wird zu PR-Zwecken missbraucht, es erschliesst mitunter tatsaechlich auch Neuigkeiten.
Die lockeren Verbindungen, die Social Media ueber Kontakte, Freundschaften, gemeinsam genutzte Tags oder Praeferenzen herstellen, koennen punktuell ueberaus intensiv werden, dann wieder deutlich abnehmen.
Es ist der Vorteil von sich veraendernden Netzen, dass hier nicht ein Ansprechpartner gesucht werden muss, sondern dass relevante Personen im Lauf der Zeit flexibel und unverbindlich wechseln koennen.
Die Archivierungsfunktion von sozialen Netzen kommt dieser Eigenschaft entgegen: Beitraege bleiben (praktisch unbegrenzt) abrufbar, es sind unterschiedliche Kategorisierungs- und Tagging-Moeglichkeiten anwendbar, Einbindungen in andere Medien zur weiteren Nutzung oder Verteilung sind leicht moeglich; oft ist das Weiterverteilen von Information auch der vordringlichste Anwendungsfall von Blogs und Microblogs: Information aus einem Netzwerk wird in einem anderen Netzwerk gepostet, verschiedene Informationen werden kombiniert und neu verbreitet, der Anwender wartet dabei Reaktionen seines neuen Netzwerks ab – dadurch entstehen wieder neue Bezuege und Perspektiven.

Der Wille, in Social Media, in Netzwerken Neues (und nicht nur Neuigkeiten) zu entdecken, setzt den Willen zur intensiven Beschaeftigung voraus; die Themen draengen sich nicht auf, aktive Recherche ist notwendig, um in der Informationsflut Laerm von sinnvollen Geraeuschen filtern zu koennen.

New Media Literacy und neuer Analphabetismus

Effiziente Nutzung ist keine Frage des Mediums, sonder eine Faehigkeit des Users. Das schliesst technische Kompetenzen mit ein (Umgang mit Suchmaschinen, RSS, Feedreadern, Personalisierungseinstellungen), vor allem aber auch eine neue Art der Media Literacy: Wie serioes ist Information, welche Kriterien koennen zu ihrer Bewertung herangezogen werden? Wie erfahre ich mehr ueber den User hinter dem Nickname, welche Kriterien bestimmen die Relevanz?
Es ist eine neue Art des Analphabetismus, die Qualitaets- oder Seriositaetskriterien von Onlinemedien nicht interpretieren zu koennen. Diese sind nicht ueber einheitliche klar geregelte Merkmale erfassbar, sondern selbst Ergebnis eines komplexen Lernprozesses (s. themashazine Standpunkt New Media Analphabetismus, Mai 2009).

Netzwerke sind nicht nur Quelle, sondern selbst auch Gegenstand des Lernens; sie veraendern sich laufend, fordern stets heraus.