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Schwache Ansage: "Werberat für politische Werbung nicht zuständig"

Wed, 08/18/2010 - 13:50

Warum sind die ekelhaften F-Plakate eigentlich kein Fall für den Werberat oder für diverse andere Kontrollorganisationen?
Ein paar madige Facebook-Gruppen - ist das alles?
Länger will ich gar nicht drüber reden.
Ein paar hübsche Links stattdessen:
Herr Strache, es warat wengam Wiener Blut…
Farblos Soup
Schwache Ansage: "Nicht Zuständig"

Und was mich auch immer schon interessiert hat:
Warum hat sich eigenlicht niemand über die Werbespots von dem Möbelhaus, das so klingt wie ein Sexshop, aufgeregt, in denen der minderjährige Sohn der Familie ganz offensichtlich die Nacht mit seiner noch viel minderjährigeren Freundin verbringt?
Weil's so schön passt? Oder weil die Kleine eh schon ... - mach ma Schluss, bevors grauslich wird.

PS: Den Echten Wiener gibts bei Digiom zum Downloaden.

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Die Konferenzsaison läuft wieder an - meine nächsten Vorträge

Fri, 08/13/2010 - 14:11

Noch ist das Wetter viel zu schön um die Tage wieder auf diversen Events, Konferenzen und Communities of Practice zu verbringen. Aber das wird sich ja bald ändern.
Deshalb ein kurzer Vorblick auf die kommende Konferenzsaison und die ganz subjektiv für mich wichtigen Punkte.

Noch ist das Wetter viel zu schön um die Tage wieder auf diversen Events, Konferenzen und Communities of Practice zu verbringen. Aber das wird sich ja bald ändern.
Deshalb ein kurzer Vorblick auf die kommende Konferenzsaison und die ganz subjektiv für mich wichtigen Punkte.

14.9. - Future Network, Zürich

Das Future Network lädt wieder zum Technologie Outlook nach Zürich. Neben den Fixpunkten im Programm - den Vorträgen von Clemens Cap und Moshe Rappaport - gibt es einen Schwerpunkt zu Security mit Beiträgen von Tony Fricko und Michael Heiss und eine Casestudy von mir. Programm, Anmeldung und alle Details gibt es hier.

22.9., Intranets at Work, London

Janus Boye veranstaltet mit Intranets at Work ein Ein-Tages-Event für Intranet-Professionals. Die JBoye-Events sind immer sehr dicht, sehr praktisch und sehr fruchtbar. Bis jetzt habe ich nicht nur jedes Mal Ideen mitgenommen, sondern auch zwei oder drei Dinge pro Event gleich anschliessend umgesetzt.
Diesmal in London präsentieren unter anderem BBC, UNHCR, London School of Economics and Political Science. Und auch von mir wird es einen Beitrag über den Aufbau von Collaboration und Communities in Intranets und die Transformation von der Ein-Peronen-Multimediakreativstrategieredaktion zur gesunden Intranetorganisation geben.
Details, Anmeldung und Programm

26./27.20., Enterprise 2.0 Summmit, Frankfurt

Ob ich auch einen Beitrag für den Enterprise 2.0 Summit liefere, ist noch nicht fix.
Trotzdem möchte ich dem interessierten Publikum das Ambassador-Programm ans Herz legen: Blogger und andere E 2.0-Enthusiasten können sich für den Gratis-Zugang zum Event bewerben. Voraussetzungen: "# Motivation to communicate and represent the E2.0 SUMMIT, its mission and idea to the E2.0 community and larger public
# Not a staff member of a vendor or integration company in the field of Enterprise 2.0".
Insgesamt werden 12 Plätze vergeben.
Das Programm steht noch nicht endgültig fest; die letzten Jahre haben aber gezeigt: der E 2.0 Summit kann als gesetzt für den Konferenz-Herbst gelten.
Details und Anmeldung

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Design beginnt nicht mit der Grafik

Fri, 08/13/2010 - 13:57

Es war mal eine Errungenschaft, Medienkonzeption nicht an den Texten aufzuhängen. Design, wussten fortschrittliche Medienmacher, ist nicht nur eine Marketingkomponente, sondern hat auch grossen Einfluss auf redaktionelle Abläufe, mögliche Inhalte und die inhaltliche und ideologische Ausrichtung.
Textwüsten wurden von schönen Seiten abgelöst, die ja zur Not immer noch den Text hatten um - wo erklärungsbedürftig - auch erklärt werden zu können.

Leider gibts nicht nur diese fortschrittlichen Medienmacher noch immer, sondern auch - mit der üblichen Immovationsverzögerung - ein breites Verständnis darüber, dass Medien von Designern gemacht werden. Auch das wäre ja nicht schlecht - wenn nicht Designer mit Grafikern verwechselt würden.

Nichts gegen Grafik - Blickfang, Kommunikationsinstrument, Verkaufsargument, Differenzierungsmerkmal, Identifikationsvehikel - alles und gerne mehr; Grafil ist aber kein Mittel, um eine Medium zu gestalten. Schongar nicht, wenn es weit mehr verwenden kann als Text und Bild.
Online müssen

  • Abläufe gestaltet werden
  • Informationskanäle gelegt werden - für zukünftige (was mache ich mit aktuellen Themen) und vergangene (Archiv) Funktionen
  • grafikunabhängige - weil von Endgeräten abhängige - Userflows geschaffen werden
  • und schliesslich müssen noch Redaktionsprozesse geschaffen werden, die das Ding auch am Leben erhalten können.

Specification by Design - wobei die Abläufe und Funktionen anhand von Grafiken in einem fröhlichen Ratespiel reverse engineered werden müssen - sind hier eine der denkbar schlechtesten Vorgangsweisen.
Trotzdem werde ich dann immer wieder zu Notoperationen gerufen, bei denen dann tief in Designskizzen verklemmte Nerven der Benutzerführung freigelegt werden müssen.

Was heisst das jetzt für die Auftragsvergabe in Onlinemedienprojekten:
Heuern Sie auf jeden Fall einen Grafiker an - sichtbare und schöne Entwürfe verschaffen ein viel besseres Bild und sind schon in der PLanungs- und Budgetierungsphase ein wichtiges Verkaufsargument
Spannen Sie den Grafiker mit jemandem zusammen, der das Ergebnis dann auch in der Organisation tragen muss, der damit leben wird.
Falls notwendig, holen Sie einen Experten für Onlinemedien und Medienproduktion dazu, der die richtigen Fragen stellt, an notwendige Standardprozessschritte erinnert und sich aus der Organisation Antworten holt, die dann auch entsprechend umgesetzt werden können.

Aber Design als Grafik ist weder der Anfang noch das Ende eines Projekts.
Habe ich offene Türen eingerannt? - Kaum etwas freut mich mehr...

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Vom Content zum Medium - Onlinejournalismus und Online-PR

Sun, 08/08/2010 - 08:18

Onlineschreiber recherchieren nicht, habe ich an dieser Stelle vor einigen Wochen behauptet. - Natürlich habe nicht ich das behauptet, sondern einen befreundeten Pressesprecher aus einem Gespräch zwischen Tür und Angel zitiert.
Weil das nicht besonders aussagekräftig ist und eine sehr persönliche und situationsbezogene Momentaufnahme ist, habe ich Onlinechefredakteuere und CVDs befragt, wie sie das halten - und andere Pressesprecher, was sie davon mitbekommen.
Manuel Reinartz, Chefredakteur der Online-Presse, ist sicher: "Online-Schreiber recherchieren nicht? - Diese Behauptung stimmt einfach nicht." Allerdings bedingt das notwendige Tempo fallweise andere Kanäle: "Die Online-Redaktion recherchiert genauso über das Telefon, wie die Kollegen aus Print. Klar ist auch, dass wir zum Teil schnellere Informationsquellen benutzen und brauchen als Pressestellen bieten können. Die Kollegen aus Print haben für Ihre Recherchen naturgemäß mehr Zeit und stehen während des Tages nicht unter diesem Aktualitätsdruck."
Die höchste Sichtbarkeit wird Onlinejournalisten auch dort attestiert, wo kurzfristige Aktualität nicht oberstes Prinzip ist: in Fachmedien. "Onlinemedien rufen regelmässig an - das macht mittlerweile gut 60% der täglichen Anfragen aus", erklärt Kerstin Meckler, Kommunikationschefin von Borealis. "Es sind vor allem Journalisten von spezialisierten Medien aber auch Onlineredakteure unserer Printmedienpartner, mit denen wir in praktisch täglichem Kontakt sind."
Bei den Verteilern wird nicht nach Medien differenziert - wer auf den Informationslisten ist, bekommt grundsätzlich die gleiche Information. - Was bei konkreten Fachthemen praktisch sein mag, stösst bei General Interest-Medien nicht immer auf Gegenliebe: "PR-Leute bombardieren uns mit Unmengen Mails, die ein Normalsterblicher gar nicht mehr kanalisieren und bearbeiten kann. Daher landet viel, vermutlich auch viel Spannendes, im elektronischen Müll. Die PR-Branche scheint recht wenig Ahnung zu haben, wie eine Online-Redaktion funktioniert und wie ein Online-Redakteur oder auch Blogger tickt", macht Reinartz noch einmal deutlich.

Was brauchen Onlineredaktionen?

Unterschiedliche Bedürfnisse sind nicht nur in Tempo und benötigten Medienformen begründet (Online bietet mehr PLatz für Bilder, Filme, Originaltöne und Querverweise als andere Medienarten). Hier wird eingrundlegender Unterschied berührt: Onlinemedien sind nachwie vor nur selten - eigentlich kaum - abgeschlossene Produkte mit eigener Identität, Ausrichtung, Geschichte und allem was dazu gehört. Als Zeitungsleser können wir uns zu einer Hauptzeitung bekennen und damit Flagge zeigen. Onlinemedien sind dazu zu wenig Produkt und zu sehr Werkzeug: Nicht Medien im klassischen Sinn, sondern Mittel, um Medien zu machen. Die dadurch bedingte organisatorische und funktionale Offenheit führt dazu, dass Contentbrocken weniger verarbeitet werden und als isolierte Brocken entwedernur herumstehen (verlinkt werden) oder ignoriert werden - dieses Schicksal ereilt die klasische Presseaussendung oift.
Anstelle dieser Brocken sind Medien ein viel angemessener Partner: Unternehmen müssen in ihrer PR selbst Medien schaffen, um online mitreden zu können.

Fazit bisher: Schon nach wenigen kurzen Gesprächen zeichnet sich ab, dass natürlich Onlinemedien wichtig sind und auch redaktionelle Qualität bieten. Die Frage verlagert sich anderswohin: Was ist redaktionelle Qualität? Und was sind Onlinemedien?
Der österreichischen Medienverband etwa definiert Medien als Publikationen (print oder digital), in denen mindestens zwei Personen redaktionell tätig sind (weil nur so ein Redaktionsstatut zustandekommen kann; s. working paper:freie medien ). Das schliesst die meisten Blogs dann einmal als Medien aus.

Einmal mehr muss hier aber auch die Unterscheidung von Medien als Produkten und Medien als Werkzeugen bemüht werden: Die wenigsten Blogs sind Medien im Produktsinn, die Inhalte zusammenfassen, branden und verkaufen. Die meisten sind aber Medien im Werkzeug Sinn, die Inhalte ihrere Autroen in Beziehung zu anderen INhalten und Medien setzen und so für Perspektive sorgen, kommentieren, und erklären - und das bei einer Vielfalt von stark wechselnden Themen.

Kerstin Meckler: "In der Borealis-Pressestelle rufen kaum Blogger an. Das führe ich aber darauf zurück, dass wir meist sehr spezifische Themen haben, mit denen sich wenige Blogger beschäftigen." @werquer kommt in seiner Unterhaltung mit zum Thema zu ähnlichen Schlüssen: "kontakt zu online-/klass. journalisten ausgewogen. kaum anfragen von bloggern."

Unternehmenskommunikation: Vom Contentlieferanten zum Medienproduzenten

Die Frage der Medialität (wann ist ein Medium ein Medium?) kann auch hier nicht beantwortet werden; die wenigen Punkte führen mich eher zu einer anderen Frage: Ist es überhaupt wichtig zu wissen, mit wem wir reden, ob unser (Medien)Partner ein Medium ist oder nicht? - Welche Elemente liefern Unternehmen in ihrer Kommunikation? Eine Aussendung, einen Interviewpartner? - Das war Content. Ein vielschichtig nutzbarer und wiederverwendbarer Kanal gibt sich nicht mit Content zufrieden, er muss selbst zu einem Medium werden.
Ich denke, fehlende Klarheit über diesen Punkt ist einer der wesentlichen Gründe, warum sich Unternehmen oft nicht über Social Media- und Web 2.0 Aktivitäten trauen: Neben Usern, die zurückreden, erhöhtem Reaktionsaufwand und gesteigertem Tempo sind hier ganz andere Skills gefragt: Kommunizierende Unternehmen sind - wenn sie es gut machen - nicht mehr nur Contentlieferanten on Demand, sondern eigene Produzenten.
Das erfordert Arbeit und vor allem andere Skills, die in der klassischen Kommunikation fehlen. Nbeen Geschwätzigkeit und Ausdauer als den Kernkompetenzen mussten PR-Leute bislang auch ein bisschen Gespür für Themen haben. Das - und ein Gespür für deren Aufbereitbarket in vielen Kanälen, Medienarten und für viele Zielgruppen, steht jetzt viel mehr im Mittelpunkt.
Gelungene Online-PR ist in meinen Augen weniger Informationsverbreitung, sondern Informationsgestaltung. Die Latte liegt dabei um ein Vielfaches höher: Statt Bruchstücken werden jetzt selbständig tragfähige Konzepte verlangt. Anstelle des guten Spruchs in der Presseaussendung (oder vielmehr zusätzlich) braucht es jetzt das über einen längeren Zeitraum tragfähige Konzept, das sich selbst, Beiträge in Medien und eine Facebook-App tragen kann. Eierlegende Wollmilchsau? Konkurrenzfähige Kommunikation ist eine Frage der handwerklichen Qualität.
Vielleicht ist es ja auch der hier mitklingende Passivitätsaspekt, der Online-PR so schwierig erscheinen lässt: Statt eine überschaubare Anzahl bekannter Journalisten aktiv mit konkreten Themen zu beliefern, werden Inhalte und eben Medien erzeugt, die ihre Nutzer (hoffentlich Journalisten) erst noch finden müssen. - Das ist wie ein Event, zu dem man keine Einladungen verschicken kann.
Versuche, hier gezielt vorzugehen und neue Medien - Onlinemagazine und Blogger anzusprechen - sind schwierig und selten. - Aber nach wie vor ein bewährtes Mittel, direkte Kontakte zu erzeugen, egal in welchem Medium.

Was bedeutet das aus der anderen Perspektive? - Übertrieben dargestellt, ist der Griff zum Telefon für den Onlineredakteur ein ineffizienter Medienbruch: Wozu eine halbe Stunde mit nur einem Menschen telefonieren, wenn in der gleichen Zeit eine praktisch unbegrenzte Menge an Menschen per Mail befragt werden kann, wenn in der gleichen Zeit eine grosse Menge diverstster Quellen gescannt werden kann? - Schrift ist ein unfreundliches Medium. Wir können einen geschriebenen Text so oft lesen wie wir wollen - die Worte ändern sich nicht. Die Information ist immer die gleiche; allein unsere Interpretation kann sich ändern. So geduldig Schrift einerseits ist, so wenig auskunftsfreudig ist sie. Im Gespräch ergibt sich weit eher eine neue Perspektive, verstehen wir etwas neu - und wir können etwas erfahren, was wir uns nicht selbst ausgedacht habeb.
Das muss nicht heissen, das persönliche Kommunikation anderen Interaktionsformen überlegen ist. Aber es setzt Masstäbe für andere Kommunikationsformen und für funktionierende Medien. - Das führt schon zu einem nächsten Thema...

Für hier bleibt übrig: Aus PR-Perspektive lässt sich eine Grenze zwischen Onlineredakteuren aus Onlineredaktionen mehr oder weniger klassischer Medien und Bloggern oder anderen "reinen" Onlinern ziehen: Die einen recherchieren eher klassisch, die anderen weniger. Das könnte man als Kriterium für die handwerkliche Qualität heranziehen. Es kann aber auch als Symptom unterschiedlicher Informationsbedürfnisse und unterschiedlicher Zielsetzung gesehen werden..

Medien dagegen haben einen Hintergrund, eine Linie - sie müssen eine runde Geschichte ergeben. - Wer so etwas liefern kann, braucht keine Angst vor Bloggern zu haben. Medien schaffen Bedeutung - die eigenen vielleicht sogar mehr als die vormals professionellen.

Noch härter als PR-Leute trifft das Werber, die ihre Contents (Spots, Kampagnen) immer schon gern mit anderen Contents (Aussendungen, Präsentationen) erklärt haben. - Aber auch das ist schon eine andere Geschichte.

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"Raus aus der Geiselhaft der Zwischenhändler"

Fri, 07/30/2010 - 06:18

Nachher ist immer jeder überrascht und versucht dann trotzdem, beim nächsten Mal gescheiter zu sein. - Der Abend der APA EBusiness-Community zu 20 Jahren Internet bot erwartungsgemäss wenig Überraschungen.
Schön allerdings, dass Peter Rastl, ehemaliger Informatikchef der Universität Wien, in seiner einleitenden Keynote ein paar Entwicklungen und Trends sehr deutlich auf den Punkt brachte:

  • Hätten die Drucker uns Setzer eine ähnlich starke Lobby gehabt wie die Musik- und Filmindustrie - es gäbe nach wie vor keine Textverarbeitungsprogramme.
  • Zwischenhändler sind - rein sachlich betrachtet - eine überflüssige Spezies. Mit Service und Convenience können sie sich eine neue Existenzberechtigung schaffen, aber es gibt, in welcher Branche auch immer, das gilt nicht nur für Creative Industries, keinen Grund, freiwillig in der "Geiselhaft der Zwischenhändler" zu bleiben.
  • Diverse Regulierungs- und Überwachungsversuche (wie etwa die Vorratsdatenspeicherung) tragen dazu bei, die "Infrastruktur für zukünftige Diktaturen zu schaffen".
  • Es muss nicht jede Idee mit einem Geschäftsmodell beginnen: "Wenn jemand vor 20 Jahren von mir einen Businessplan für die Einführung des Internet in Österreich verlangt hätte - ich hätt's bleiben lassen."
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Vorratsdatenspeicherung und die Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft

Wed, 07/28/2010 - 11:54

Jetzt gibts also einen neuen Anlauf, die Vorratsdatenspeicherung zu regeln: Was darf - ohne Verdacht und konkreten Anlass - überwacht und aufgezeichnet werden? Einige Gruppen, die am lautesten aufgeschrieben haben, sollen mit Sonderregelungen bedacht werden. Dazu zählen etwa Ärzte, Anwälte und Journalisten.
Das kann spannend werden.

  • Einmal stellt sich die praktische Frage: Wie erkennt man einen Anwalt oder Journalisten in seiner Handy- oder INternetnutzung? Müssen die sich dann frewillig registrieren, um nicht regustriert/überwacht zu werden? Wie sieht es mit deren Privatanschlüssen aus? Und was passier, wenn sie in Kontakt mit überwachten Personen treten? Wo dann doch jeder andere überwacht wird?
  • Dann hätten wir noch die Wertefrage - Was ist ein Journalist? Entscheidet der Presseausweis? Welchen Status haben Blogger? "Technische Redakteure" wie Layouter oder Kameraleute? Redaktionsassistenten? Und warum sind Anwälte hier anders gestellt als etwa Innovationsabteilungen von Unternehmen?
  • Welche Art von Kommunikation lässt sich dann überhaupt von der Überwachung ausnehmen? Verbindungsdaten von Telefon und Internet ok, aber halböffentliche Kommunikation wie etwa Kommentare in anderen Blogs? Oder was bedeutet das für den Betreiber eines Onlinemediums/Netzwerkdiensts, der Daten speichern muss - an hand der mitprotokollierten Netzwerknamen sagen schon gratis Trackingtools wie Google Analytics, dass die Kanzlei XY (oft inklusive Postanschrift) hier war. Wer muss das rausfiltern, was vondieser Information darf/muss an wen weitergegeben werden?

Der Ausgang dieser Sache wird wieder mal deutlich zeigen, was uns wichtig ist. Besonders gespannt bin ich ja auf eventuelle Regelungen für Onlinemedienbetreiber. Zum Stellenwert des Onlinejournalismus führe ich gerade eine Interviews mit Onlinechefredakteuren und Pressesprechern. - Mehr nächste Woche...)

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Stimmen für die Au - Natonalpark March Thaya

Tue, 07/27/2010 - 12:53

Mit Hund, Pferd und Mountainbike fühle ich mich, gemessen an der Zahl der Verbotsschilder, die mit an einem Wochenende begegnen, durchaus als Public Enemy #1 in Pröll-Country, aber manche Verbote machen Sinn: Der WWF kämpft für die Errichtung eines weiteren Nationalparks in den March-Thaya-Auen. Von lokalen Bürgermeistern wird dagegen argumentiert, dass das unter anderem Einschränkungen bei der flächendeckenden Gelsenbekämpfung mit sich bringen wird und dass das nachteilige FOlgen für die wirtschaftliche Entwicklung der Region haben kann.

Was in der Au lebt, zeigt das aktuelle WWF-Video sehr schön. Was die Gelsenbekämpfung betrifft, gibt es andere Meinungen. Und was die wirtschaftliche Entwicklung im ehemaligen Ende der Welt betrifft, ist sanfter Öko- und Nachhaltigkeitstourismus wohl noch eine der plausibelsten Chancen.
Dazu braucht es allerdings ein grösser angelegtes Konzept, das den Nationalpark nicht nur auf das Gestrüpp innerhalb seiner Grenzen reduziert, sondern um ihn herum eine ganze Region schafft.
Die Nationalpark-Gemeinden im Nationalpark Donauauen zeigen seit Jahren vor, wie man es nicht macht:

  • Potentielle touristische Grossprojekte werden so aufgesetzt, dass sie dem Projektleiter und dessen Familie gute JObs bieten, aber wenig Ergebnisse liefern.
  • Statt die einzige im Überfluss verfügbare Attraktion, die auch zahlungskräftige Zusiedler anzieht, - die freie Landschaft - zu schätzen und zu erhalten, werden immer noch Grünlandzonen rund um Ortskerne mit leerstehenden Häusern in Bauland umgewandelt. Und mit fadenscheinigen Auflagen versehen, sodass sie zufällig für die Kinder der handelnden Gemeinderäzte am billigsten sind.
  • Und man lässt sich Genossenschaftsbunker, die in fünf Jahren, wenn sie einmal abgewohnt sind, niemand mehr wird haben wollen, von findigen Bauträgern als Beitrag zur Dorferneuerung verkaufen.
  • Der Ausbau des öffentlichen Verkehrs bleibt vollkommen auf der Strecke: Seit bald zehn Jahren wird keine der vorhandenen Bahnstrecken nördlich der Donau und südlich von Leopoldsdorf mehr benutzt; die Bahnhöfe verfallen und verwuchern friedlich (im übrigen grossteils auch, ohne genutzt zu werden). Der Postbus verkehrt maximal fünf Mal täglich.
  • Trotzdem wird damit argumentiert, Lebensraum für Einkommenssschwache und vor allem junge Familien schaffen zu wollen. Dass nicht nur die Mieten meist teurer sind als in der Stadt und dass die Erhaltung der Mobilität pro Familie drei bis fünfhundert Euro monatlich kostet, fällt unter den Tisch.

Den Osten Österreichs von Nationalparks (Thaya-March-Donau) umgeben zu lassen und das Land dazwischen in eine Wirtschaft jenseits von Schottergruben und Lagerhallen zu entwickeln, ist eine der wenigen Zukunftsperspektiven. Die Alternative ist, die Region in ein einzige grosse Vorstadt zu verwandeln - wie schon im Westen und Süden geschehen. - Dort gibt es sicher noch freie Reihenhäuser für die, denen das gefällt.

Deshalb ist es wichtig, die Unterschriftenaktion des WWF zu unterstützen.
Und deshalb stelle ich jetzt auch das als Spassprojekt gegründete Modeimperium (... :)) In Dust and Dirt in den Dienst der Sache. Alle Erlöse aus dem T-Shirt-Shop gehen an den WWF: Wir sparen auf zusätzliche Patenschaften für Seeadler, Bären, und ein paar Wölfe hätte ich bitte auch noch gern.

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Executive Academies - der MBB und die Ausreden-Akademie

Sun, 07/25/2010 - 08:17

Seminarkeiler muss einer der undankbarsten Jobs sein - Coldcalling galore, desinteressierte, besserwisserische, gestresste und oft aggressive potentielle Kunden und so viele schlechte Produkte.
Beeeindruckende Casestudies von Würstelbuden, Keynotespeaker, in der deren CV und Erfahrungshorizont gerade mal ein Rhetorikkurs passt (aber auch nur im Bachelorformat), Managementtrainer und Organisationsberater, die immerhin schonmal ein Bürohaus von innen gesehen haben, und Certificates deren Papier das Wertvollste ist.
Dazu Brands wie die Web 2.0 University, das 2.0 Adoption Council oder brandneu aus dem ... -Blog von wired.com, der PhD in Inter Psychology.
Wir von theMashazine.com sind immer am Puls der Zeit und können im Konzert der Gurus nicht fehlen. Folgende Produkte sind bereits in der Pipeline und werden in Kürze released:

Die Ausreden Akademie


Zielgruppe: Unternehmen im Umbruch, die sich Veränderungen stellen müssen
Lernziel: Wortreiches NIchtstun - Wie reden Sie Ihre Gegner und Mitarbeiter schwindlig, wie verstecken Sie Stillstand hinter dynamischen Worthülsen, Wie haben Sie immer für alles im Handumdrehen plausible Erklärungen nbei der Hand.
Besondere Empfehlungen: Die Ausreden Akademie hilft vor allem jenen, die beinahe kurz davor gewesen wären, etwas umzusetzen, in die Hand zu nehmen oder zu verändern, und sich damit eine Menge Arbeit aufgehalst hätten.
Die Ausreden Akademie ist perfekt auf den Einsatz in Organisationen abgestimmt und entfaltet ihre besten Effekte dann, wenn grosse Teile des Unternehmens oder zumindest des Managements die Kurse absolvieren.

Intensivkurs Ignorieren


Zielgruppe: Entscheidungsträger und Keyplayer in Unternehmen; generell Personen, die mitviel Information konfrontiert sind und von deren Entscheidungen andere abhängen.
Lernziele: Information macht dumm und handlungsunfähig. Je mehr Information wir haben, desto klarer wird, dass das erst ein Bruchteil der gesamten verfügbaren Information ist. Und je mehr wir wissen, desto mehr Optionen haben wir, desto langsamer und unsicherer sind wir in unseren Unterscheidungen. Im Intensivkurs Ignorieren lernen Sie, produktiv mit diesen Fakten umzugehen.
Besondere Empfehlungen: Der Intensivkurs Ignorieren richtet sich vor allem an Einzelpersonen. Die Lernziele können unabhängig von der Umwelt erreicht werden - oft sogar am besten allein.

Social Yoga 2.0


Du kannst nichts, machst nichts, willst nichts? Macht nichts, Nirvana ist auch nicht anders.
Ein extrem offenes und sehr flexibles Format richtet sich vor allem an

Unser liebstes Produkt haben wir bereits zur Serienreife gebracht: Vergesst den MBA - hier kommt der MBB!

MBB - Master of Bullshit Bingo

Der MBB - Master of Bullshit Bingo kann am besten in einer langen und ineffizienten Reihe von Meetings erlangt werden. Ziel ist es, möglichst viel zu reden und wenig zu sagen. Damit punkten Sie immer. Wir wären aber nicht das ausgezeichnete und international erfolgreiche Beratungs- und Kreationsbüro, das wir nun einmal sind, wenn wir nicht unseren Freunden, Partnern und Lesern den direkten Weg zum MBB bieten könnten.
Jetzt in Aktion: Kaufen Sie sich den MBB! Für einmalig günstige 199 Euro erhalten Sie

  • das unnachahmliche MBB-Zertifikat
  • den Bullshit Executive Brief: Wie funktioniert Bullshit Bingo genaug und wie setzen Sie das am besten ein
  • viel Spass bei Ihrem ungestört kreativen on demand Lernprozess




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Nutzen Sie unser Angebot noch heute, und zeigen Sie einmal mehr, dass sie zu den First Movern gehören!

Bleiben Sie am Ball - weitere Trainingsangebote folgen... :)
Das ist natürlich nur der Einstieg. Wir glauben, für den MBB die besten Voraussetzungen unter potentiellen Studenten erkannt zu haben. Weitere Bildungsprogramme werden folgen

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Social Business noch immer on Tour

Fri, 07/23/2010 - 06:20

Die Einreichung für Social Business Initiativen aus Österreich und der CEE-Region ist nach wie vor offen. Bis 25 August 2010 können Projekte eingereicht werden. Hier gibt es die Details und die Förderkriterien.

Was ist die Social Business Tour?

In einer gemeinsamen Aktion des Grameen Creative Lab von Microfinancer Mohammad Yunus, Erste Group, Erste Stiftung, good bee und dem Arbeits- und Sozialministerium touren Vertreter dieser Institutionen durch Zentraleuropa, um die Grundprinzipien des Social Business vorzustellen. Hier gibt es die Tour-Termine.

Parallel dazu läuft der Idea-Contest: Die Einreichung ist für jedermann offen.
Die Erste Group stellt einen Rahmen von 10 Millionen Euro zur Unterstützung von Social Business Initiativen zur Verfügung.

Social Business Tour auf Facebook

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"Too many grown-ups out there, and I'm not one of them..."

Tue, 07/20/2010 - 08:15

Corporate Philosophy ist immer so ein Ding... - Manche Leute schaffen es aber, die Sache auf den Punkt zu bringen. Einer davon ist Roger Steare, der mit wenigen Fragen, kleinen Diskussionanregungen und very british Hemden (zu sehen auch auf seinem Youtube-Channel) sein Publikum sehr schnell und nachhaltig mit den richtigen Fragen konfrontiert.

  • Kennen wir den Zweck unseres Handelns?
  • Kennen wir die Gründe, die uns und unsere Umgebung bewegen?
  • Wollen wir wirklich so weiter machen?

Steare untermauert seine Thesen und Forderungen (er ist kein rein analytisch-deskriptiver Philosoph) mit Ergebnissen aus psychometrischen Tests: Wie veraendern sich ethische Werte im Alter? Wie mit Hierarchie-Levels in Organisationen? Wo lassen sich geschlechterspezifische Tendenzen erkennen? Unter der Trademark "ethicability" publiziert Steare vorhersehbare Resultat (Frauen sind ethischer als Männer), aber auch Ergebnisse, die ich so noch nirgendwo anders gesehen habe.
Besonders interessant sind die massgeblichen ethischen Werte in unterschiedlichen Managementlevels: Gehorsam als ethischer Wert sind erwartungsgemäss, im Verlauf einer Karriere sinken aber auch alle anderen ethischen Werte - um beim letzten Schritt vom Senior Manager zum Geschäftsführer oder Vorstandmitglied teilweise wieder sprunghaft anzusteigen: Vor allem die vernunftgetriebene Ethik, aber auch an Fürsorglichkeit orientierte Ethiken sind in Vorstandsetagen deutlich stärker vertreten, als in anderen Managementebenen.
Vernunftethik bleibt über Managementlevels relativ konstant, Fürsorglichkeit aber steigt am deutlichsten ab und dann wieder am sprunghaftesten an. Das lässt natürlich viele Deutungsmöglichkeiten zu:

  • Vernunft ist immer gut und muss überall und auf allen Ebenen akzeptiert werden.
  • Vernunftgetriebene Entscheidungen haben mit Verantwortung zu tunm ,aber auch mit Einsamkeit: Wenn die eigene Leidenschaft nicht mehr zählt, bleibt nur noch die Vernunft.
  • Fürsorge ist eine wichtige Zutat zu guter Führung.
  • Fürsorge ist ein Luxus, der nur in der obersten Etage leistbar ist - wer seine Schäfchen noch nicht im Trockenen hat, muss erst an sich selbst denken
  • Und schliesslich: sollen wird das normativ verstehen (So musst Du Dich entwickeln, wenn Du CEO werden möchtest) oder deskriptiv - als Momentaufnahme eines ändernswerten Zustands?

Steare fordert klar dazu auf, den Status Quo nicht als wünschenswertes Ziel zu sehen - aber auch nicht als Spielplatz für Kritik und Vorwürfe: Jed Organisation hat das Management das sie verdient, jede Gesellschaft die Banken, die sie verdient, jeder AUtofahrerclub die Ölpest, die die Gier seiner Mitglieder mitverursacht hat.
Vielleicht ist der eigene Handlungspielraum nicht immer klar und deutlich sichtbar, die Konsequenzen des eigenen Handelns aber sind in der Regel unbestreitbar. - Das ist nicht zuletzt ein sehr schönes Dilemma, das auch in der Diskussion um Für und Wider von Social Media immer wieder als Grundmotiv auftaucht: Werden wir noch verantwortungsloser und oberflächlicher, weil wir kaum je direkte Konsequenzen unserer Handlungen erleben? Oder lernen wir gerade so Verantwortung, weil potentiell alles mit allem vernetzt ist, und wir ZUsammenhänge berücksichtigen müssen, die wir uns nie hätten träumen lassen? (Mehr dazu bei Charles Ess und immer wieder auch hier an Ort und Stelle)

Handlung und Konsequenzen sind gerade in der Philosophie, wo die Gefahr von Worthülsen besonders gross ist, umso wichtiger. Steares plakatives Probe aufs Exempel: "Der beste Ethik-Code den ich jemals gelesen habe, war der von Enron...".

Ein anderes schönes Beispiel für Zusammenhänge und Konsequenzen und Zusammenhänge stammt aus den psychometrischen Tests zu geschlechterspezifischen ethischen Werten: In weiblichen Mustern steht Liebe an oberster Stelle, in männlich ausgerichteten Ethiken sind Weisheit und Selbstkontrolle undter den Spitzenreitern. Klingt verkorkst und hölzern? "Vergessen Sie nicht", sagt Steare dazu, "Selbstkontrolle ist das wirksamste Gegenmittel gegen Gier...". Dem sich dann meist mehr oder weniger dezent anbahnenden Ansturm de Entrüstung begegnet Steare mit einer schlichten AUfzählung: "Schuhe. Handtaschen. 'Ich würde mir das nicht gefallen lassen'. - Sickert es?"

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Online-Schreiber recherchieren nicht

Thu, 07/15/2010 - 07:01

"Rufen eigentlich viele Onlineredakteure bei Dir an?", habe ich den Kollegen Pressesprecher aus einer befreundeten Pressestelle unlängst eigentlich aus belangloser Neugierde gefragt. Die überraschende Antwort: "Überhaupt nicht."
Egal ob Blogger, Nachrichtendienst oder Online-Ableger eines Printmediums - Onlinejournalisten recherchieren nicht, so die auf einem Alltag als Pressesprecher beruhende Einschätzung. - Gerade bei grundsätzlich kommunikativen Leuten, zu deren Stärken es gehört, neue und diverse Informationsquellen schnell anzapfen zu können, eine verwunderliche Einschätzung.
Wird so viel abgeschrieben, pardon: von Print und Agenturen übernommen?

  • Outen sich Onlineredakteure nicht als Onliner, tarnen sie sich mit den kommerziell attraktiveren Printmarken?
  • Erfüllt Onlinejournalismus andere Zwecke?
  • Ist das ein Einzelfall?
  • Oder liefert der Grossteil der Pressestellen einfach nichts, was online verwertbar wäre?

Ich werde der Frage in den nächsten Wochen nachgehen und freue ich auf Meinungen, Einschätzungen und Erfahrungen - hier, @phomek oder hier.

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Strategien zur Einschaetzung von Vertrauen online (Edumedia Tagungsband)

Fri, 07/09/2010 - 07:27
Vertrauen ist ein wichtiges Bindemittel in Organisationen: Vertrauen fördet Kooperation, Offenheit und Lernen. Welche Rolle spielen Onlinemedien bei Aufbau und Ausbau von Vertrauen? Eine kurze Untersuchung zeigt: Es gibt wenig genuin onlinespezifische Kriterien von Vertrauen. Abriss einer Untersuchung zu den philosophischen Grundlagen von Vertauen in Onlinemedien. Trust Exchange Research Dieser Text gibt einen Abriss einer kleinen Studie zu Vertrauen in Onlinemedien. In einem zweiten Teil stecke ich kurz den Rahmen für eine laufende Untersuchung der Grundlagen von Online-Vertrauen ab. Ausgangslage: Vertrauen im Brennpunkt Der Direktor des Havas Media Lab und Harvard Business Review-Blogger Umair Haque veröffentlichte im März 2010 einen provozierenden Post mit dem Titel “The Social Media Bubble”, in dem er einige Mythen und vermeintliche Erfolgsstories rund um Social Media in Frage stellte. Einer der grossen Kritikpunkte: Vertrauen. “Trust: If we take social media at face value, the number of friends in the world has gone up a hundredfold. But have we seen an accompanying rise in trust? I'd argue no. Now, perhaps it will take time for gains to be visibly felt. But social networks have already been around for half a decade, and society seems to be little better off.” Vertrauen nimmt grundsätzlich ab, also können neue Onlinemedien, deren Verbreitung grundsätzlich zunimmt, keine deutlich positive Auswirkung auf das Entstehen von Vertrauen haben, so die Schlussfolgerung. Das Trustbarometer 2009 der Public Relations Agentur Richard Edelman listet differenzierte Veraenderungen in der Ausprägung von Vertrauen auf. In vielen Bereichen sinkt die Bereitschaft, zu vertrauen, in vielen Staaten haben sich Vertrauenswerte auf allen Ebenen verschlechtert. Signifikante Ausnahmen sind einige Länder Südamerikas, vor allem aber Korea: Gegen den Trend haben sich Vertrauenswerte hier verbessert. - Diese Länder weisen die weltweit höchsten Zuwachsraten in der Nutzung neuer Onlinemedien auf. Vermehrte Kommunikation in diesen Kanälen, so die Schlussfolgerung, erhöht die Bereitschaft, zu vertrauen. “When did we start trusting strangers” der dritte Teil der Onlinemedien-Studie von Universal McCann, kommt zu dem Schluss, dass neue Beziehungen, die durch Social Media entstehen und in Social Media sichtbar werden, starke positive Wirkungen auf Vertrauen haben können. Das Prinzip scheint einfach zu sein - und gar nicht cyberdemokratisch: Wer am lautesten spricht, wird am meisten wahrgenommen. Die sogenannten Superinfluencer kommunizieren überdurchschnittlich viel, haben ein weites Netzwerk und werden überdurchschnittlich oft um Rat gefragt. Die Daten: Sie empfehlen besonders häufig Filme, Musik und Heimelektronik (jeweils ueber 55% der Befragten). Das sind umgekehrt auch die Bereiche, in denen sie am seltensten nachfragen (jeweils unter 25% der Befragten). Superinfluencer sind deutlich überdurchschnittlich aktiv (Indexwert bis über 150) darin, ihre Meinung weiterzugeben, Neues auszuprobieren. Offenheit, Transparenz oder Detailwissen spielen keine gewichtige Rolle. Im Gegenteil: Genau Bescheid zu wissen findet sich als nur knapp überdurchschnittlich wichtig (Index 108) am unteren Ende der Skala wieder, knapp geschlagen vom ebenfalls gering ausgeprägten Qualitätsbewusstsein. (Mehr ueber Superinfluencer) Diese drei Beispiele illustrieren, dass Vertrauen ein wichtiges und kontrovers diskutiertes Thema in der Auseinandersetzung mit Onlinemedien ist. Zusammengefasst: Die Breitenwirkung von Social Media-Nutzung hat keine direkte positive Auswirkung auf Inhalte oder inhaltliche Qualität. Dialog, Partizipation, Auseinandersetzung sind vermutete Qualitäten, die sich so nicht nachweisen lassen. Dennoch besteht diese Hoffnung. Wo das Gespräch begonnen wurde, wird es fortgesetzt. Je öfter wir etwas hören, desto eher sind wir geneigt, es zu glauben Analyse: Werkzeuge zur Konstruktion von Vertrauen Social Media, so eine Hypothese, stellen nun nicht diesen Grundsatz in Frage, sie können aber erstens Einfluss darauf haben, was wir wie oft hören, zweitens geben uns neue Onlinemedien Mittel in die Hand, selbst zu beeinflussen, was wir hören wollen. Der erste Szenario spielt auf die Verfügbarkeit von Produktionsmitteln an: Potentiell jeder kann in Text, Bild oder Video ein Medium starten, das potentiell weltweit erfolgreich ist. Das zweite Szenario zielt auf den Umgang der User mit Information ab: Wir können mit RSS-Readern, Ratings, Empfehlungen und unseren Netzwerken als Filter ganz genau steuern, was wir lesen. Schafft das onlinespezifische Kriterien für Vertrauen? Um diese Fragen in einer online-affinen Testgruppe, die diese Funktionen nutzt, zu untersuchen, wurden in einer qualitativen Mini-Analyse drei einfache Fragen per Mail an eine Zielgruppe von ueber 500 Adressaten per Mail verschickt; zusätzlich wurden Aufrufe auf themashazine.com, Facebook und einigen Partnerblogs veröffentlicht. Die 500 Emailempfänger wurden aufgrund ihrer Onlineaktivitäten ausgewählt, wichtige Quellen waren z.B. die Teilnehmerlisten von Barcamps (u.a. barcamp.at, barcamp.sk, blogcamp.ua, barcampcaspian.org). Die Fragen:
  • Whom do you trust online?
  • What is your trust built on?
  • What difference does trust make?
Einige der ausführlicheren per Mail einlangenden Antworten wurden auf theMashazine veröffentlicht. Alle Antworten bestätigen den in den Edelman- und UniversalMcCann-Studien festgestellten Trend: Wir vertrauen den grossen Namen und dem, was wir schon kennen. Einige Beispiele (aufgrund des qualitativen Charakters der Umfrage verzichte ich auf statistische Ergänzungen): "Huge institutions which have a certain publicity" "For transactional sites, it depends on the brand and the ease of use of the site." "Transparency- I want to know the person's real name, and a photo makes a big difference" "Big brand names, Media we know from other channels (print)" "Large organisations with wide public visibility which, should they violate trust in general, would get sufficient PR coverage so that I know about it or PR damage so they do not abuse trust." Sichere Verbindungen, Privacy Statements und Gewährleistungen sind technische Analogien in der Onlinewelt, zur Förderung von Vertrauen. Ihre Anwendung finden sie ebenfalls in der Interaktion mit grossen Playern. (vgl auch Ljung, Walforss 2008) Ausdrücklich vertrauenswürdig sind Institutionen, die zur Sorgfalt verpflichtet sind (Banken, Kreditkartenunternehmen, grosse Onlinehändler), oder Marken, die so gross sind, dass sie sich keine Probleme leisten koennen: Jedes Sicherheits- oder Vertrauensproblem würde sofort Wellen schlagen. Die relevantesten Kriterien für Online-Vertrauen sind also nicht onlinespezifisch. Das führt mich dazu, einen Schritt zurückzusteigen. Die Frage lautet nun nicht mehr: Wem vertrauen wir online und wie laesst sich Vertrauen in Onlinemedien fördern? Die neue Fragestellung ist: Warum gehen wir davon aus, dass Onlinemedien in einem positiven Zusammenhang mit Vertrauen stehen? Warum ist Vertrauen im Zusammenhang mit Onlinemedien wichtig? “Dialog schafft Vertrauen” - unter dieses Motto stellte der Direktmarketingverband Oesterreich (DMVÖ) seine Jahrestagung 2009 und legte dabei besonderes Augenmerk auf Online-Massnahmen. “Trust Agents – Using the Web to build Influence, improve Reputation and earn Trust” von Chris Brogan und Julien Smith führte wochenlang die Bestsellerliste der New York Times an. Auch mit entgegengesetzten Thesen lässt sich Aufmerksamkeit erzeugen: Jaron Laniers vielbeachtetes “You are not a gadget” wehrt sich massiv gegen die Annahme, Social Media könnten die Qualität unserer Beziehungen verbessern. Umair Haques Interpretation von fehlendem Vertrauen in der Welt als Scheitern von Onlinemedien wurde bereits angesprochen. Wir haben uns daran gewöhnt, zu akzeptieren, dass Onlinemedien gut für Demokratie, Wohlstand und Vertrauen sind. - Ebenso, wie wir uns daran gewöhnt haben zu unterstellen, dass das Internet dumm macht, dass Geschäftsmodelle online nahezu ausschliesslich werbefinanziert sind, dass das Web eher ein Marketing- als ein Innovationsinstrument ist, und dass die Gesetze des Marktes hier besonders ungefiltert zum Tragen kommen (im Guten wie im Schlechten). Dimensionen von Vertrauen Diese Dissonanz ist hier nicht Thema. Ich bin auf der Suche nach den verschiedenen Dimensionen und Voraussetzungen, die uns in Onlinemedien vertrauensstiftende Kräfte vermuten lassen. Ich versuche, die Problemstellung in verschiedene Dimensionen zu zerlegen: Die deskriptive Dimension Wir können Dialog und Offenheit in den Vordergrund stellen. Aus dieser Perspektive ist relevant, dass Information nahezu überall nahezu frei verfügbar ist, dass wir alles hinterfragen können und mit einfachen Mitteln grosse Mengen an neuem Wissen erschliessen können. Onlinemedien gelten hier als gleichmässig verfügbare Produktionsmittel, als interaktive Kanäle, die sofortige Rückmeldung (und auch Korrektur) erlauben, als Mittel, neue Wege und Horizonte zu erschliessen. Aus dieser Sicht fördern Onlinemedien Vertrauen, weil sie keine unbelegten Behauptungen zulassen, weil sie Themen setzen, und weil sie aus verschiedenen Perspektiven Teile von Realität darstellen. Die Kommunikationskonzepte dahinter bauen auf Rationalität, Fairness, Verständigung und auf die Anerkennung gemeinsamer Werte; die Grundeinstellung ist fortschrittsorientiert. (Beispiele – wenn auch vielleicht gewagt – sind Habermas' ideale Gesprächssituation, Gadamers Auffassung des Dialog oder Vilem Flussers Unterscheidung von dialogischen und diskursiven Zielen von Kommunikation (vgl. Münker 2009)) Vorausgesetzt ist, dass Offenheit und Vertrauen relevante Werte sind; dann wird abgeleitet, dass diese auch von Onlinemedien unterstützt werden. Der Zusammenhang zwischen Onlinemedien und Vertrauen ist in diesem Fall ein direkter und deskriptiver: Durch den Einsatz von Onlinemedien können wir uns mehr Sicherheit und Gewissheit ueber die Welt verschaffen, also können wir auch eher vertrauen. - Beide Seiten, Vertrauen und Onlinemedien, sind positiv besetzt und verstärken einander. Die normative Dimension Eine andere Perspektive setzt ebenfalls voraus, dass Vertrauen wichtig ist. Allerdings kommt eine zweckorientierte Komponente dazu. Vertrauen ist kein Wert an sich, sondern ein wichtiges Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen. Wem eher vertraut wird, der verkauft mehr, der kann schneller zur Sache kommen – oder der muss weniger investieren, um beachtet zu werden. Marek Kohn stellt in seiner Studie “Trust”dar, dass zum Erreichen von Vertrauen das Aussenden teurer, aufwändiger Signale notwendig ist, zum Erhalt genügen dann dagegen in der Regel günstigere Signale. Das ist z.B. die Perspektive eines Unternehmens auf der Suche nach dem Vertrauen potentieller Kunden. Wer Vertrauen hat, kauft schneller und ist auch eher bereit, positive Nachrichten zu verbreiten. Wer nicht vertraut, verbreitet eher negative Nachrichten und sieht keinen Grund, positive Nachrichten zu verbreiten. Onlinemedien als schnell verfügbare Kommunikationsmittel mit grosser Reichweite tragen dazu bei, diese Effekte schneller in die eine oder andere Richtung weiterzutragen. Der Zusammenhang zwischen Onlinemedien und Vertrauen ist aus dieser Perspektive normativ: Onlinemedien sollen Vertrauen fördern, weil das wichtig ist. Die Fragestellung dabei ist nicht, aus welchem Grund positive Wirkung beschrieben werden kann, sondern wie ein positiver Zusammenhang hergestellt und verstärkt werden kann. Onlinemedien sind wichtig – weil sie uns schaden könnten. Im Vordergrund stehen Kontrolle, Manipulation und, positiver gesehen, ausgleichende Wirkung: Onlinemedien in Hinblick auf Vertrauen als wichtigen Wert zu betrachten bedeutet, Beziehungen zu gestalten – und ernst zu nehmen. Die produktive Dimension Eine dritte Perspektive: Onlinemedien sind ein Mittel, Realität zu gestalten. Produktion, Vernetzung, Beurteilung von Inhalten, Usern und Beziehungen schaffen neue Räume. Onlinemedien verändern – nur mit welchem Effekt? "Am I accusing all those hundreds of millions of users of social networking sites of reducing themselves in order to be able to use the services? Well, yes I am", schreibt Jaron Lanier in seinem Manifest “You are not a Gadget”. Vernetzte Kommuniktion als Möglichkeit, mit neuen Horizonten in Beruehrung zu kommen, ist eine Sichtweise, die der Philosoph Charles Ess untersucht. Eine seiner zentralen Fragestellungen: Sind Onlinemedien ein Mittel, erweiterten Horizonten und komplexeren Beziehungen besser gerecht zu werden? Reduktion oder Verdinglichung ist eine Konsequenz, Erweiterung, die Herstellung und das Sichtbar-Machen neuer Beziehungen eine andere – und dabei müssen nicht immer Widersprüche auftreten. Onlinemedien sind ein Mittel, mehr zu erfassen, mehr Information zu produzieren. Sie erhöhen die Chance auf Kontakte. Kontakte betreffen exponierte Eckpunkte. Es kommen nie alle Punkte in Berührung – Verständigung findet dort statt, wo kleine Teile deckungsgleich sind, oder wo – durch einen gemeinsam akzeptierten Rahmen – Differenzen klar vermessen werden koennen. Onlinemedien erhöhen die Chance auf die Anzahl möglicher Kontakte, sie tragen aber wenig zu deren Intensität und Qualität bei: Veröffentlichte Information ist immer gefiltert. Je strenger die Regeln, desto grösser die Reichweite, gilt oft. Genau hier setzt Laniers Kritik an: Netzwerke wie Facebook laden dazu ein, das Leben auf ausfüllbare Formulare zu reduzieren. Im Gegenzug bekommen wir grosse Reichweite für wenig Aufwand. Der andere Zugang, starke persönliche Elemente zu schaffen, ist grundsätzlich genauso leicht möglich. Die Verantwortung der Verbreitung liegt dann aber beim Autor. Was bedeutet diese Perspektive für die Relevanz von Vertrauen in Hinblick auf Onlinemedien? Der gestalterische Aspekt lässt neue Potentiale entstehen, manchmal neue Wege und neue Kommunikationsformen. Auch auf gewohnten Wegen und in gewohnten Formen überschreiten wir online häufiger Grenzen. Dabei verlieren wir die gewohnten Absicherungs- und Qualitätssicherungsmechanismen. Was wir nicht kennen, was anders ist oder was nur minimale – aber scheinbar wichtige – Berührungspunkte mit uns hat – dem müssen wir vertrauen. Uns fehlen Zusammenhänge und gesicherte Berichte über erfolgreiche Vorgangsweisen. Vertrauen wird hier zu einem wichtigen Faktor in der Erkenntnis: Einiges ist nicht sinnvoll hinterfragbar. Wer einen Schritt weiterkommen will, muss in manchen Fällen vertrauen. Das bezieht sich weniger auf die soziale Komponente von Vertrauen – das ist eine erkenntnistheoretische Problemstellung: Wir können nicht alles selbst erfahren oder falsifizieren, also sind wir auf andere – und damit auf Vertrauen – angewiesen. Prägnante Ausformulierungen dieser Idee sind auf der einen Seite Ilia Kassavines “Soziale Erkenntnistheorie”, auf der anderen Seite Martin Kuschs “Knowledge by Agreement”. Während Kassavine die soziale Wirkung von Mythen und Archetypen auf Kommunikation und Erkenntnis untersucht, geht Kusch der Frage nach, welchen Stellenwert Verhandlung, Zustimmung und Abstimmung in der Bewertung von Wissen haben. Gemeinsam ist beiden – und der dritten Perspektive auf Vertrauen – dass klar dokumentierte Erkenntnisprozesse zwischen Subjekt und Gegenstand überschritten werden. Vertrauen hat in dieser Sichtweise starke erkenntnisbezogene Implikationen. Drei Sichtweisen – drei Disziplinen Die drei Sichtweisen stecken einen Rahmen für die Untersuchung des Themas anhand philosophischer Disziplinen ab. Vertrauen als Qualitätskriterium von Kommunikation ist Gegenstand sozialer, praktischer Philosophie. Fragestellungen sind:
  • Welche Merkmale von Onlinekommunikation erfüllen den Anspruch, Vertrauen zu fördern?
  • In welchen Werteuniversen gelten diese Zusammenhänge?
  • Wie können Widersprüche in der Wahrnehmung von Onlinekommunikation – etwa im Übergang zur manipulativen Komponente von Vertrauen – aufgelöst werden?
Vertrauen als Katalysator und als Kontrollmechanismus braucht eine ethische Perspektive. Die wesentlichen Fragestellungen aus ethischer Hinsicht sind:
  • Wie zielorientiert können/dürfen vertrauensbildende Massnahmen online sein?
  • In welchem Verhältnis stehen Vertrauen und Macht im Internet? - Braucht Macht Vertrauen? Oder bildet Vertrauen Macht?
  • In welchem Verhältnis stehen Vertrauen und Hoffnung?
  • Und schliesslich: Was sind die Konsequenzen von (fehlendem) Vertrauen?
Vertrauen als produktiver Faktor ist ein Thema der Erkenntnistheorie. Auch in Hinblick auf Onlinemedien gelten die Fragen:
  • Wie sicher wissen wir, was wir wissen?
  • Welche Analogien können wir in die Onlinewelt hinüberretten?
  • Mit welchen Mechanismen können wir online vertrauenswürdige Bedingungen konstruieren?
  • Wieviel Zusammenhang brauchen wir, um logische Ableitungen, Ursache und Wirkung erkennen zu können?
Hypothese Online haben wir immer zugleich zuviel und zuwenig. Zuviel und zuwenig Information, zuviel und zuwenig Beziehungen, zuviel und zuwenig Möglichkeiten. Wir können alles sehen, aber nichts damit machen, haben viele Kontakte, aber wenig Verbindlichkeit, lernen viel, aber immer nur aus unserer Perspektive. Im Versuch, Onlineinformation zu bewerten, lassen sich zwei entgegengesetzte Strategien festmachen: Reduktion – Jeder kann veröffentlichen, grosse Reichweiten erzielen, unabhängig von Herkunft, Status oder konkreten Inhalten. Onlinemedien bringen keine Voraussetzungen mit und brauchen keine Voraussetzungen – sie bestehen aus Inhalten. Historische Kodifizierungen (die uns Urteile fällen lassen wie: Schundroman, Yellowpress, Qualitaetszeitung) die optische, redaktionelle und finanzielle Reize mitbringen und auslösen, sind online noch nicht etabliert. Onlinekommunikation ist von Nebengeräuschen befreit und mehr auf die Substanz bezogen. Direkt, offen und unabhängig – das ist eine Sichtweise. Aggregation – Onlinemedien vernetzen und verbinden. Kein Informationsbruchstück besteht für sich alleine; es sind das Wesen von Onlineinformation, vernetzt zu werden. Fortlaufende Vernetzung erweitert, fügt Bestandteile zusammen und sorgt für grössere Zusammenhänge. Vernetzung ermöglicht erst Verständnis. Aggregation ist nicht nur Vernetzung, sondern auch ein Mittel zur Qualitätssicherung. Onlinemedien stellen direkte Bezüge zu Quellen her, Referenzen und Verweise ermöglichen sofortige Plausibilitätschecks. - Das ist eine andere Sichtweise. Reduktion als Verzicht auf Kontext und Aggregation als Aufbau von Kontext sind zwei entgegengesetzte Strategien, die sich beide als vertrauensfördernd in die Pflicht nehmen lassen. Dekontextualisierung (Reduktion) steht für Konzentration, für den Verzicht auf Manipulation, für direkten Zugang und direkte Gewissheit. Rekontextualisierung (Aggregation) steht für Absicherung durch Referenzen, für die Darstellung von Beziehungen, für die Einbettung in einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung, für das Anerkennen von Konsequenzen. In Onlinemedien, so die Hypothese, sehen wir deshalb so viel vertrauensförderndes Potential, weil wir hier beide Strategien gut argumentieren können. Was das über die Qualität von Vertrauen online sagt, ist Thema der laufenden Untersuchung. Ausblick Online gibt es noch viel Definitionsspielraum. Medien und Werkzeuge suchen ihre Identität und ihre Businessmodelle. Wir sind - noch nicht oder nicht mehr? - einig, ob Onlinemedien produktive freie Kanäle sind oder doch nur manipulative Marketingmittel. Onlinemedien zeigen direkte Auswirkungen auf die Welt – oder sind sie in Wahrheit so auf sich selbst beschränkt, dass jedes Überschwappen in die „reale“ Welt berichtenswert erscheint? Als User macht uns das Web praäsenter und produktiver – oder doch nur realitätsfremder und egoistischer? Wir wissen es nicht. - Wo Grenzen sichtbar werden, ist Vertrauen wichtig. Und Onlinemedien werden zunehmend zu unserem primären Grenzerkundungsmedium. *** -->

Spielraum 2.0

Tue, 07/06/2010 - 08:02

Noch ein Punkt aus den Diskussionen bei der Edumedia vergangene Woche, der mir wichtig ist und den ich immer wieder gern wiederfinde.
2.0 bedeutet Spielraum. Effizienz bedeutet nicht nur, schneller mehr zu machen, sondern auch neues zu beginnen, anderes auszuprobieren und Zwischenraeume und Querverbindungen zu beachten.

In der Internetwelt scheint das eher selbstverstaendlich zu sein, bei der Uebertragung in die Corporate-Welt geht dieser Gedanke aber oft verloren. Wo intern, etwa in Intranets, neue Methoden eingesetzt werden, muessen diese Effizienz beweisen. Oft mit der Konsequenz, dass die sichtbaren und nachweisbaren Benefits auf ein Minimum schrumpfen.

Allerdings sind "Wettbewerbsvorteile zweiter Ordnung" (Hans Wuethrich), die sich durch kulturelle Alleinstellungsmerkmale ergeben, auch ein bereits in der Wissenschaft anerkanntes Thema.
Oder, wie Klaus North die Essenz seines Vortrags formulierte: Ziel einer Unternehmensorganisation unter den aktuellen Bedingungen kann es nur sein, aus Selbstmanagement von Wissensarbeitern (Experten koennen sich am besten selbst steuern) gemeinsame Wertschoepfung zu schaffen. Die Kombination unterschiedlicher Ziele unterschiedlicher Personen erzeugt eine flexible und fragile Organisation, in der nicht mehr herkoemmlich gemanaged werden kann, sondern gecoached werden muss. Fuehrung bedeutet so, Sinn zu stiften, Spielraum fuer Veraenderung zu schaffen - Fuehrung ist keine Machtposition, sondern eine Dienstleistungsfunktion. (Eine sehr schone Beschreibung der Funktion von Spielraum im Unternehmen ist Tom Demarcos "Slack".)
Dion Hinchcliffe hatte dann beim Post-Conference Chillout noch eine sehr schoene Formulierung: die Herausforderung von Fuehrung in 2.0-Bedingungen ist es, "to design enterprises for the loss of control". Das gilt nicht nur fuer Fuehrungsfragen im engeren Sinn, sondern auch fuer scheinbar banale Organisationsfragen: Welche Webseiten oder Onlinedienste sollen gesperrt werden? Mit welchen Policies sollen Social Network-Profile, Blogs, oder Webseiten von Mitarbeitern geregelt werden? Mit welchen Sicherheitsmassnahmen kann die Hoheit des Unternehmens ueber seine Daten gesichert werden? Die Kontrolle ist in diese Fragen schon lang abgegeben - fast jeder Mitarbeiter hat alles Notwendige, um nahezu jede Art von Policy zu umgehen, mit einem Smartphone in seiner Tasche.
Dieser im kleinen fast schon marxistische Gleichstand an Produktionsmitteln erfordert schlicht andere Wege der Ueberzeugung - eben einen produktiven Umgang mit Spielraum, der durch gemeinsame Visionen zielgerichtet werden kann...

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E 2.0: Vom Reden zum Handeln - "Hier geschieht ein Wunder"

Thu, 07/01/2010 - 09:18

Projektmanager kennen das: "...Und hier geschieht ein Wunder" - dieser Punkt ist, freiwillig oder nicht, fixer Bestandteil praktisch aller Projektplaene. Pro-Enterprise 2.0-Argumente erleiden oft ein aehnliches Schicksal: Die Argumentation startet mit Effizienz, Produktivitaet und Informationsvielfalt - und landet dann, nach einem undefinierten Wunder, bei Kreativitaet, Kompetenz, ja schlicht bei einem besseren Menschen.
Wie das?

var flattr_url = 'http://www.themashazine.com/standpunkte/edumedia';

Die Vortraege der Edumedia (23. und 24. Juni in Salzburg) beruehrten diesen Themenkreis immer wieder. Mit Erklaerungsansaetzen zu Enterprise 2.0 taucht auch viel Informationstheorie aus den Mottenkisten auf. Klaus North zeigte eines von mehreren Stufenmodellen in der Entwicklung von Information: Der Weg fuehrt von Zeichen ueber Daten zu Information. Daraus wird Wissen, das ermoeglicht Handeln. Wichtig ist aber Kompetenz (die Faehigkeit, das richtige zu tun) - und da garantiert erst Wettbewerbsfaehigkeit.
Entlang dieser Stufe nimmt die handlungsorientierte Komponente zu. Wir muessen nicht nur etwas tun, sondern wir muessen das richtige tun. - Und je mehr Optionen durch neue Informationen, weitere Vernetzung usw. entstehen, desto mehr Gelegenheiten haben wir, daneben zu greifen. Das ist die eine Sichtweise, die in Vernetzung und Vielfalt vor allem das Ueberflutungsproblem sieht.
Eine andere Sichtweise betont die Filterfunktion von Netzwerken: Natuerlich werden wir immer weitergeleitet, aber jeder Link, jede Empfehlung beruht auf unseren Beziehungen - wir folgen den Links von Leuten, die wir fuer gut halten, und jede Entscheidung fuer etwas bedeutet zugleich, zumindest fuer den Moment, auch eine Entscheidung gegen alles andere. Dahinter steht die Hoffnung, dass diese Entscheidung richtig ist.
Beim Handeln (was letztlich die Folge von Entscheidungen sein sollte), zaehlt schliesslich nicht die Menge, sondern Kreativitaet und Kompetenz sind wichtig: Es soll das richtige getan werden.
Dabei helfen Netzwerke, die uns den Ueberblick verschaffen und bei Auswahl und Filterung von Information helfen. Wie Dion Hinchcliffe auch in seinem Edumedia-Beitrag betonte: Wir haben weniger ein Informationsproblem, mehr ein Filterproblem. Entscheidend ist nicht, wieviel Information wir verarbeiten koennen, sondern wie wir die richtige Information auswaehlen.
Banal?
Gerade in der Auswahl des Richtigen unterstuetzen 2.0 Tools am effizientesten. Wir sehen nicht nur mehr (rein quantitativ betrachtet), wir bekommen auch mehr Hintergrund- und Kontextinformation mitgeliefert: Inhalte sind unter staendiger Bearbeitung, sei es direkt oder ueber Bewertungen, Kommentare, Verlinkungen und referenzierende Interpretationen. Insofern sind die Voraussetzungen gut, auch das Filterproblem zu loesen.
Die Chancen, Information in Wissen umzuwandeln und nutzen zu koennen, stehen also gut, aber es ist noch immer der Punkt offen, an dem aus Zeichen und Wissen Kompetenz im Sinn von praktischem Wissen wird. - Noch immer haben wir den Punkt, an dem irgendwann irgendwo ein Wunder geschieht.
Collaboration ist effizienzgetrieben. Mehr Information soll leichter gefunden werden koennen. Auch dabei helfen Vernetzung, Filter und soziale Ansaetze.
Die Vernetzungs- und Filterfunktionen koennen dabei in entgegengesetzter Funktion verwendet werden. Vernetzung erweitert und foerdert so die Informationsmenge - es kommt immer etwas dazu. Filter dagegen konzentrieren und blenden aus; statt immer etwas hinzuzufuegen, waehlen sie aus und lassen sie weg. Wo Netze einen Basisbestand erweitern, waehlen Filter aus einem Basisbestand aus. Beides sind Formen des gezielten Strukturierens von verfuegbaren Inhalten und Beziehungen: Sie koennen durch Hinzufuegen oder durch Entfernen gestaltet werden.
In beiden Faellen muessen Entscheidungen getroffen werden. Bei Filtern ist das offensichtlicher, auch die immer offene Vernetzung aber bedeutet Auswahl. Die Entscheidung fuer eine Option ist immer auch die Entscheidung gegen alle anderen Optionen. Das wirkt bedingt dadurch relativiert, dass immer wieder neue Entscheidungen getroffen werden koennen.
Wichtig ist: So betrachtet hat auch das Sammeln von Wissen selbst eine stark aktive, handlungsorioentierte Komponente. Wissen sammeln bedeutet nicht, objektiv Fakten zu dokumentieren, es ist ein aktiver Prozess, in dem Entscheidungen getroffen werden. Der Schritt zum Umsetzen, zur definitiven Entscheidung, ist damit dann meist kleiner als gedacht. Wir sind bereits mitten in Entscheidungen.
Warum ist das wichtig?
Einerseits erklaert das das vermeintliche Wunder, durch das aus Sammeln und Dokumentieren aktives Handeln wird - wir handeln immer schon; manchmal praktisch, manchmal theoretisch. Die vermeintliche Barriere entsteht eher durch die wahrgenommene Reichweite der Handlungen: Je praktischer etwas ist, desto realer scheint es auch. Es wird leichter und breiter wahrgenommen, Folgen werden direkter zugeordnet.
Vom ersten Moment an, indem wir Zeichen mit Bedeutung versehen und so in Information verwandeln, entscheiden wir und handeln wir.
Das deutet auch auf eine zweite Frage hin, die im Enterprise 2.0-Kontext immer wieder eine Rolle spielt: Wie schaffen wir es, gruenes Licht zu bekommen, die Entscheidungstraeger ins Boot zu holen, Budgets zu akquirieren? Die ueberspitzte Antwort: Gar nicht. Genauso koennten wir aber auch antworten: Von Anfang an, mit jedem Schritt. Was steckt dahinter? - Wir muessen keine Entscheidungen abwarten, weil wir sie in jedem Moment treffen. Wir brauchen keine grossen weitreichenden Entscheidungen herbeifuehren - weniger weil wir sie jederzeit relativieren koennen, sondern weil sie erst umgesetzt werden muessen. Eine Entscheidung alleine ist, so wie eine Idee, nicht viel wert. Wert entsteht erst in der Umsetzung.
Fuer die ueblichen Entscheidungsgremien und Planungsrunden bedeutet das: Die ersten Entscheidungsschritte passieren lang vorher, sobald erste Informationen gesammelt und zusammengestellt werden muessen. Die formelle Entscheidung selbst ist schliesslich - auf der Informationstreppe betrachtet - "nur" Information, nur ein Zeichen. Sie ist keine aktive Handlung; die Handlung (in der wir Kompetenz beweisen, nicht nur ausueben koennen) geschieht erst spaeter.

Im 2.0 Umfeld gilt umso mehr: Entscheidungen werden durch Handlungen getroffen. Der grosse Masterplan existiert nicht und waere, wenn es ihn gebe, auch Gegenstand laufender Veraenderung. Dass es trotzdem einen Plan braucht, liegt auf der Hand. Dieser ist - meiner Erfahrung nach - allerdings weniger strategischer, technischer oder finanzieller Natur, sondern vor allem praktischer: Warum tun wir das, wo wollen wir hin, und vor allem - warum sollen andere dabei mitspielen?
Training, Information, Kalkulation, Business Cases sind wichtige Instrumente, die der Ordnung halber benutzt werden muessen, aber keine Entscheidungen herbeifuehren und nichts veraendern.
Was Bewegung ausloest, sind Funktionen und Inhalte, die sich in die taegliche Praxis einfuegen (die besten Innovationen sind die, die man kaum bemerkt) oder von sich aus ihr Publikum anziehen. Sei es, weil sie gebraucht werden, weil sie gemocht werden, oder weil sie unterhalten.
Anwendungen sind ein wichtiger Bestandteil, Inhalte ein anderer. Beide, im Idealfall beide zusammen, brauchen einen gemeinsamen Grundton - die Wichtigkeit der Inhalte wird auch durch Funktion oder Hype nicht relativiert. Es muss funktionieren, heisst es so schoen einfach - und dafuer gibt es kein Generalrezept, sondern nur solides Handwerk .

Was heisst das fuer die Enterprise 2.0-Diskussion, von der wir eigentlich ausgegangen sind? 2.0 an sich ist grundsaetzlich gegessen, das zeigen auch die Teilnehmerkreise der diversen Konferenzen, die von NGOs ueber Startups, Mittelstaendler, Grossunternehmen bis hin zu Schulen und Aemtern alles abdecken. Wir wollen das. Aber wie machen wir das?
Ich denke, der einzig generell anwendbare Ratschlag ist: Die Dramaturgie muss passen. Wenn der Anfang klein ist - kein Problem; es muessen auch nicht alle Voraussetzungen gegeben sein. Handlungen treffen Entscheidungen und < a href="http://www.themashazine.com/standpunkte/umweghypability">veraendern Menschen und Voraussetzungen. Das kann Schritt fuer Schritt im Kleinen passieren; es muss sogar im Kleinen und Bottom up passieren: Eine formelle Entscheidung kann hier nicht funktionieren.

Wohin fuehrt all das zurueck? Je praesenter und angreifbarer Medien werden (jeder kann seine Meinung dazu aeussern (in Kommentaren, Bewertungen, eigenen Medien) oder gar die Inhalte veraendern (in Wikis oder anderen Collaborationloesungen)), desto wichtiger ist die handwerkliche Qualitaet der Medienproduktion. Das gilt fuer einzelne Beitraege genauso wie fuer ganze Medien- oder Markenkonzepte. Kein Beitrag allein, keine neue Medien-Produktvariante darf Erklaerungen benoetigen oder Fragen aufwerfen "Eh schoen. Aber warum eigentlich?"
Das erfordert fachlich fundiertes Wissen ebenso wie redaktionelle Professionalitaet. Einen einfacheren Weg gibt es leider nicht.

(Nur die passenden Partner fuer die Medienproduktion...)

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Der Tagungsband zur Edumedia - Die lernende Organisation 2.0 - mit Beitraegen unter anderem von Dion Hinchcliffe, Michael Heiss und mir, kann bei Salzburg Research bestellt werden.

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Umweghypability

Sun, 05/30/2010 - 22:07

Effizienz ist eines der wesentlichen Kriterien in der Einfuehrung und Erfolgsmessung von 2.0 Tools im Unternehmen. Prozesse stehen im Vordergrund, Transparenz, Reaktionszeit, Time to market, Einsparungspotential - lauter Kriterien, die in der Nutzung von Facebook, Twitter oder Blogs nur eine untergeordnete Rolle spielen.

  • Einsparungspotential, Effizienz? - Erst mal sind es zusaetzliche Aufwaende.
  • Transparenz? - Allen Privacy-Predigern zum Trotz: Wer sich aktiv verkleidet, kann seine Maskierung immer noch selbst steuern.
  • Reaktionszeit, Time to market? - Kommunikation kann viel, irgendwann muss das, worueber kommuniziert werden soll, aber auch mal produziert werden, und das meist nicht virtuell.

Die reduktionistische Perspektive allein passt auch weniger zum 2.0-Gestus: Es geht weniger ums Weglassen, eher ums Verbinden, Hinzufuegen, Sichtbarmachen, um das Verlagern von Schwerpunkten. Vor allem der letzte Pukte fuehrt oft dazu, Traditionelles wegzulassen (etwa klassische Medien, hierarchische Abstimmungsprozesse oder aehnliches) - das bedeutet in der Regel aber nicht, dieses zu beseitigen oder abzuschaffen; es wird nur von einer Gruppen eben weniger genutzt.
Eine additive anstelle einer reduktionistischen Perspektive muss anders argumentieren. Anstelle von Effizienz steht eher die Eroeffnung neuer Moeglichkeiten im Vordergrund, das Ausprobieren anderer Wege, das vielleicht auch zum Erfolg fuehren kann.
Ein gern genutzte Figur ist dann die Umwegrentabilitaet als Argument: Auf den ersten Blick haben wir vielleicht gar nichts von unseren Aktivitaeten (ausser hoeheren Aufwaenden), aber sie bereiten den Boden fuer andere moeglichen Entscheidungen: Vielleicht entstand der erste Kontakt nicht ueber den Kundenberater oder die offizielle Werbung, sondern Twitter, vielleicht war nicht der Verkaufsfolder ausschlaggebend fuer eine positive Entscheidung, sondern der hohe "Gefaellt mir"-Wert in einer Community, vielleicht wurden das Angebot oder die Information nicht ueber die eigentliche Aussendung, sondern durch einen Userkommentar irgendwo anders gefunden.
Controller sehen das nicht gerne, und auch fuer die Erfolgsmessung ebnet diese Argumentation nicht gerade das Terrain.

Noch deutlicher aber werden diese Effekte, wenn man sich erlaubt, die Schraube noch etwas weiter zu drehen. Manche Communities und Networks sind hip und User machen dort coole Sachen. Wir nutzen aehnliche Funktionen, also sind wir auch hip. Und fangen irgendwann an, tatsaechlich coole Sache zu machen. - Dieses Prinzip funktioniert und es bringt trockene Seniors und ehrgeizige Juniors immer wieder dazu, gelegentlich auch sinnvolle, echt coole Handlungen zu setzen. Ich nenne das Umweghypability: Weil anderswo Hypeverdacht besteht und wir uns dem Umfeld annaehern, gilt das fuer uns ebenso (aehnlich wie die Unschuldsvermutung.. :)).
Oder?
Hype ist nun nicht immer positiv besetzt. In der Wueste der Unternehmenskommunikation ist es allerdings eine von nicht so vielen Moeglichkeiten, die knappe und noch intensiver ueberbeanspruchte Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu erregen: Wiedererkennbarkeit, planbare Reiz-Reaktionsschemen und das Mitnaschen am positiven Image anderer sind Techniken, die sich jetzt durch den Einsatz von Social Media noch gut verstaerken lassen.
Ohne den Anything-Goes-Nimbus, der noch immer Teile des Internet umgibt, koennte Wein-Blogger Gary Vaynerchuck etablierte Talkshow-Hosts nicht dazu bringen, Dreck zu kosten, gaebe es keine lustigen Fehltritte traditioneller Medienzampanos, keine bloggenden Generaldirektoren und keine unvermittelt neu entstehenden Beziehungen.
Es gaebe auch keinen Grund, extra fuer die Kamera oder fuer den Blog oder fuer das Intranet ein kleines Medienereignis zu inszenieren - wenns nicht die Aura des Coolen oder Unterhaltsamen haette.
Das ist allerdings genau das, was alle tun; die Inszenierung ist das Kernstueck jeden Mediums und all seiner Inhalte.
Die Grenze dorthin zu ueberspringen scheint nicht leicht: Ist mit einem inszenierten Event, einem "gestellten" Foto schon die Grenze zur Objektivitaet ueberschritten? - Das ist natuerlich eine Fangfrage; nicht-inszeniertes oder nicht-gestelltes gibt es in der Kommunikation so wenig wie Objektivitaet. Wir sind immer mit im Spiel, und damit auch unsere Perspektive - je mehr davon desto besser.
Und hier sind wir an dem Punkt, an dem der Spass beginnt. Fuer manche; fuer andere endet die Gemuetlichkeit . Ein bisschen koennen wir mitschwimmen, die groessten Schritte aber muss jeder fuer sich selbst machen. Mir scheint es recht wichtig zu sein, wohin und womit wir das erste Stueck mitschwimmen - starten wir mit Privacysorgen, Sendungsbewusstsein, Voyeurismus, Neugierde, Spass an der Unterhaltung, Angst vor den anderen - der Hype kann verschiedene Farben haben, so wie der Umweg in Umwegrentabilitaet als potentielles Geschaeft gesehen werden kann, oder als zusaetzlicher Aufwand.
Umweghypability heisst also: Die Einstellung, die wir neuen Onlinemedien gegenueber mitbringen, faerbt darauf ab, wie wir in ihnen wahrgenommen werden. So wie in jedem Buch immer nur das drin steht, was wir ohnehin schon wissen.
Und wie wenden wir das an? Daran arbeite ich noch... :)

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Das mit der Oeffentlichkeit

Thu, 05/20/2010 - 06:37


Der Medienwissenschaftler Stefan Muenker hat mit "Emergenz digitaler Oeffentlichkeiten. Die Sozialen Medien im Web 2.0" ein deutschsprachiges und zumindest im Ableger eines grossen Verlags verlegtes Web 2.0-Buch geschrieben.

Fuer den Grossteil seiner Thesen gilt, zumindest aus der Perspektive des erfahreneren Anwenders: Eh. So unreguliert die Onlinewelt auch ist, so weit setzt sich doch in den Grundlagen ein gewisser Konsens durch, zumindest was die soziale und politische Dimension von Onlinemedien betrifft.
Die Saeulenheiligen, die den Verfall politischer, sozialer und kommunikativer Werte beklagen, koennen mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden. Ob Schirrmacher (dessen "Payback" erst nach Muenkers Buch erschien) oder Habermas - den Pessimisten der Massenmedien kann entgegengehalten werden, dass Onlinemedien gar keine Medien sind, und schon gar keine Massenmedien. Sie sind Werkzeuge, und es sind nicht diese Werkzeuge (allein) die vorgeben, wie sie benutzt werden: "Die vernetzte public sphere ist noch aus Werkzeugen gemacht, sondern aus sozialen Praktiken, welche durch diese Werkzeuge ermoeglicht wurden", zitiert Muenker der New Yorker Soziologen Yochai Benkler.
Trotzdem macht die Technik hier natuerlich Vorgaben: "Medien gehen ihrer Verwendung voraus (weil es sie eben schon geben muss, bevor ich sie verwenden kann) - und sie definieren fuer diese Verwendung gleich auch noch die Grenzen: Ohne Medien kann man nicht tun, was Medien einem erst ermoeglichen; zugleich kann man mit Medien nichts machen, was ihre technischen Moeglichkeiten nicht erlauben. Medien sind transzendentale Bedingungen fuer all das, was wir dank ihrer Existenz machen - anders gesagt: Medien sind ein unhintergehbares (technisch materielles) Apriori all der Aktionen, die wir mit und ihn ihnen durchfuehren, ebenso wie all der Erlebnisse, die wir dank ihrer erfahren", schreibt Muenker. Es sind also Grenzen gesetzt, aber es gibt natuerlich keinen Mechanismus, der uns auch zwangslaeufig an die bringt. Wie wir unsere Moeglichkeiten nutzen, bleibt uns ueberlassen.
Das bringt Muenker auch zu dem Schluss: Web 2.0 kommt "einer demokratischen Kommunikationskultur (...) naeher als alles, was wir bislang erlebt haben".
Jetzt ist zwar auch demokratische Kommunikationskultur nur ein Raum von Moeglichkeiten (alles kann nichts muss - mit diesem Motto werben ja auch gern Swingerlclubs), aber die weiteren Voraussetzungen, aus denen Muenker seinen Schluss ableitet, verwischen mit einige Grenzen doch zu sehr. "Die sozialen Medien des digitalen Netzes sind immersiv (...): Sie sind als Nutzer Teil des Webs, wenn Sie sich seiner sozialen Medien bedienen", beschreibt Muenker als einen Unterschied zwischen Onlinemedien und etwa Fernsehen. Nun ist aber auch das Fernsehpublikum eine wichtige Groesse im Mediengeschaeft: Es wird in Tausenden oder gar Millionen verkauft; Reichweite ist ein wichtiger Bestandteil des Programms. Der Zuschauer ist vielleicht keine aktive Groesse, die inhaltlich spuerbar ist, aber er ist nichtdestotrotz Teil des Systems - ohne ihn kann es nicht funktionieren.
Online geraten Nutzer auch mehr und mehr in diese Rolle: Klar kann jeder aktiv sein- aber wer tut das schon, und wer hat was davon?
Der passive Nutzer wird auch immer mehr zur wichtigen Groesse in jedem Business Case; 90 bis 99 Prozent aller User gelten ohnehin als Fuellmaterial, das nur benoetigt wird, um das eine Prozent aktiver und kommerziell relevanter User auf eine respektable Groesse aufzublasen.
Bestandteil zu sein kann also in beiden Faellen sehr wohl auch passiv funktionieren.
Schliesslich fuehrt Muenker noch Derridas Konzept einer Logik der gegenseitigen Supplementaritaet ins Treffen, um ein Verhaeltnis von Internet und Gesellschaft zu beschreiben: "Wie die Gesellschaft auf jeden Impuls des Internet mit neuen Regulierungen antworten wird, reagiert das Netz auf Integrationsversuche der Gesellschaft mit neuen Formen subversiver Unterwanderung." Dem ersten Teil kann ich voll zustimmen, mit dem zweiten Teil dagegen fange ich gar nichts an: Warum sollte das so sein? Und vollzieht sich nicht gerade die genau ?
Als Wunsch kann ich das akzeptieren, als Beschreibung fehlen mir dafuer die angreifbaren Beispiele. Ich haette eher den Verdacht, dass die Medialitaet, die ja immer Vorstellungen, Klischees und Projektionsflaechen braucht, genau die subversive Absetzung unmoeglich macht. - Aber vielleicht habe ich zuletzt auch nur zuviel Hakim Bey gelesen (was ich aber auf jeden Fall weitermachen werde...)

PS: Grosser Verlag hin oder her - das Cover gibts anscheinend immer nur in miserabler Qualitaet online...

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Warum wir immer noch Pioniere sind

Mon, 05/17/2010 - 06:47


In meiner Arbeit mit freiwilligen und unfreiwilligen Blog-, Wiki- und CMS-Usern habe ich eine deutliche Trennlinie festgestellt. Manche Anwender loesen Probleme, andere beschreiben sie.

Erst vergangene Woche wieder ist mir das wieder deutlich bewusst geworden: Im Rahmen eines Projekts haette eine Testgruppe das Potential eines Software-Prototypen dadurch evaluieren sollen, dass sie ihn einfach benutzen und ueber ein paar noch existierende Einschraenkungen hinwegsehen. Das Ergebnis: In der Applikation seien noch Fehler, es sei nicht moeglich, damit zu arbeiten. Vorhersehbar, koennte man meinen - waeren es die Fehler, gewesen, die tatsaechlich noch in der Applikation waren. Was allerding in Wahrheit fehlte und bemaengelt wurde, war ein Plan: Die ueberwiegende Mehrheit der Anwender kam nicht damit zurecht, sich selbst ein Szenario zu schaffen, in dem die Software haette benutzt werden koennen. Die gestellte Aufgabe wurde als zu unkonkret empfunden; aus der Aufgabenstellung, inhaltliche und organisatorische Szenarien fuer die Nutzung zu entwickeln und zu evaluieren, wurde in den Koepfen der Tester ein simpler Funktionstest. Dabei ist entscheidend, dass nach jedem Klick sofort irgendetwas passiert - ob das Ergebnis sinnvoll, richtig oder hilfreich ist, ist dabei zweitrangig.

Ich halte das fuer symptomatisch: Zusammen mit dem ersten ungeschriebenen Gesetz der User Experience (Jede Anwendung ist einfach, bis man etwas Konkretes damit umsetzen muss) zeichnet sich hier ein zweites Gesetz ab: Wir brauchen geschlossene Kreislaeufe ohne offene, uns selbst ueberlassene Enden, um eine Aufgabe erfuellen zu koennen. Ein erreichtes Ergebnis selbst einzuschaetzen, liegt weitgehend ausserhalb des Horizonts.

Onlinemedien sind nun aber gerade Werkzeuge, mit denen wir etwas umsetzen koennen, wir koennen Beziehungen herstellen oder Inhalte schaffen.
Sie geben in seltenen Faellen klare Ablaeufe vor.
Diese Offenheit gehört zum Wesen von Onlinemedien. Oder, wie Stefan Muenker in seinem 2009 erschienenen Text "Emergenz digitaler Oeffentlichkeiten" schreibt: "Medien gehen ihrer Verwendung voraus (weil es sie eben schon geben muss, bevor ich sie verwenden kann) - und sie definieren fuer diese Verwendung gleich auch noch die Grenzen: Ohne Medien kann man nicht tun, was Medien einem erst ermoeglichen; zugleich kann man mit Medien nichts machen, was ihre technischen Moeglichkeiten nicht erlauben. Medien sind transzendentale Bedingungen fuer all das, was wir dank ihrer Existenz machen - anders gesagt: Medien sind ein unhintergehbares (technisch materielles) Apriori all der Aktionen, die wir mit und ihn ihnen durchfuehren, ebenso wie all der Erlebnisse, die wir dank ihrer erfahren."

Das aendert sich, die begrenzende Funktion uebernimmt hier die Oberhand. Onlinemedien werden nicht mehr als Werkzeuge gesehen, die Sichtweise auf Medien als Brands und Produkte tritt in den Vordergrund. Der Erfolg einiger weniger Medien droht zu einem maechtigen Rueckschlag zu werden. Damit meine ich gar nichgt die Privacy-Sorgen rund um Facebook. Allein die Beschraenkung und Reduktion auf diese wenigen Moeglichkeiten, verbunden mit der grossen und gelegentlich explosiv wachsenden Reichweite, verfaelscht das Bild.

Unproduktive Medien wie Facebook haben klare und kleine Ablaeufe. Die Tätigkeit beschraenkt sich darauf, Formulare auszufuellen. Eigentlich ist das lustig: Formulare auszufuellen - der Inbegriff von Buerokratie, der Kampfschrei des Spiessers gegen seine eigene Ordnung - ist spaetestens seit Facebook eine der primaeren Freizeitbeschaeftigungen fuer Millionen Menschen, beliebter als Fernsehen.

Produktive gestaltbare Medien fuehren oft zu der Einschaetzung: das ist kompliziert, das ist anstrengend, das bringt mir nichts. Zu viele Moeglichkeiten lassen klare Anweisungen vermissen; Flexibilitaet gilt, im Vergleich zu einer strikten Direktive, manchen als Manko. Ein Blog, in dessen Backend ich nicht staendig gefragt werde "Was machst Du gerade", oder "Kennst Du ...?" erfordert einen eigenen Plan - vor allem nach den ersten zwei, drei Wochen. Ein Wiki, in dem ich Verknuepfungen selbst herstellen muss, erfordert nicht nur einen Plan, sondern auch Verantwortungsgefuehl und die Faehigkeit, mit dieser Macht umzugehen. Der gestalterische Aspekt ist nicht jedermanns Sache.
"Das ist nicht userfreundlich", lautet dann oft das Verdikt. Onlinemedien, die grundsaetzlich fuer jedermann verfuegbare Produktionswerkzeuge sein koennten, werden von jenen, die Produzenten sein koennten, freiwillig in die Expertenwelt der Flugzeugantriebe oder Biotechnologie abgeschoben: Das ist etwas Kompliziertes, mit dem wir uns nicht auskennen, ist die Einstellung. Das haette ein Experte doch besser und einfacher machen koennen, ist die Erwartung; ich kann/will/werde das nicht machen. - Sagt mir einfach, was ich tun soll, ist die Konsequenz. Das ist eine Einstellung, die nur sehr Maechtigen gut steht. Fuer andere bedeutet es freiwillige Unterordnung und den Verzicht auf Moeglichkeiten, aber vielen geht anscheinend nichts ab...

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Mit Onlinemedien zu arbeiten, bedeutet nach wie vor - eigentlich: jetzt wieder - Neuland zu betreten. Das ist keine technische Angelegenheit, ich spiele damit auch nicht auf die Platitueden an, dass Organisation und Inhalte (also Funktion) der Technik (der Form) vorangehen sollten.
Onlinemedien wie wir sie heute nutzen, fordern uns deshalb heraus, weil wir etwas mit ihnen tun koennen - und auch muessen, wenn wir Ergebnisse erzielen wollen.
Passive und spielerische Nutzung sind weder ausgeschlossen noch falsch. Im engeren Sinn produktive Nutzung erfordert aber Aktivitaet. Und das bedeutet: Jeder konkrete Schritt wird zum ersten Mal gemacht; jeder Schritt ist in seiner Art einzigartig, auch wenn vielleicht aehnliche Schritte schon millionen Mal gesetzt worden sind.
Das klingt dramatisch. Das mitschwingende Individualitaetspathos ist aber nur eine Nebenerscheinung. Die Betonung der Einzigartigkeit macht eher deutlich, dass in unseren persoenlichen Medien und Werkzeugen nur wir selbst arbeiten - oder wir machen eben nicht mit. Dann sind unsere Medien allerdings nicht unsere, und schon gar nicht sozial.

Ein Stueck nutzloses Wissen mehr? - Ich denke, dass solche Ansaetze bei der Professionalisierung des Onlinebusiness helfen koennen: Etwa in der Definition praeziserer Jobprofile, in adaequaterer Ausbildung und auch in der generellen strategischen Ausrichtung vor allem kommerzieller Onlinemedien. So erheiternd oft manche Jobinserate sind ("Onlinemedien-Spezialist aus dem Verlagswesen", "CMS Product Manager mit sehr guten Java- und Javascript-Kenntnissen", "Online-Redakteur mit Programmier- und Photoshop-Kenntnissen" usw.) so traurig sind oft Einstellungen und Erwartungen von Absolventen: Onlinemedien werden - auch von zukuenftigen Redakteuren, Contentmanagern oder Online-Strategen - oft als etwas betrachtet, das halt auch gemanaged werden muss, die Details wird dann schon jemand anders machen.
Schwammige Curricula wie Medienmanagement oder lustige Selbstdarstellungen als Social Media Berater sind die plakative Folge; die nicht so deutliche, aber meines Erachtens weit dramatischer Konsequenz ist, dass so eine verlockend einfache Gelegenheit verpasst wird, die Grenze vom Reden zum Handeln zu ueberschreiten, vom Leiden zum Tun.
Do it yourself hat Grenzen - aber die Konfiguration von Themes oder Widgets in einem Blog als technische Kenntnisse zu beschreiben legt die Latte so niedrig als wuerde Limbo mit Stabhochsprung verwechselt.
Ein professioneller Generalist (was die meisten Jobs rund um Onlinemedien, abgesehen von "nur" Design oder "nur" Programmierung nach wie vor sind), braucht nicht nur Ideen, er muss sie auch umsetzen koennen. Umsetzen bedeutet dabei nicht, jede Klammer und jeden Beistrich selbst zu setzen, aber die Vision in umsetzbare Teile auf den Boden zu bringen - so dass sie fuer alle, die daran arbeiten, verstaendlich ist.
Reine Ideengeber, die ungefaehr das ganze Internet auf ihrem Trackrecord haben, sind eine neue Hanswurst-Klasse fuer sich.

Auf dem Weg dorthin gibt es einige echte Professionals ueber Programmierung und Design hinaus, die man gern zu Rate ziehen wuerde - wenn es sie denn schon gaebe:

  • Informationsarchitekten, die mit klaren Konzepten und Modellen nicht nur Ordnungen erfinden, sondern sie auch schnell und valide ueberpruefen koennen.
  • User Experience Spezialisten, die sich nicht schnell vonder Usability-Gurus rebrandet haben, sondern mit klaren erprobten Mitteln Flow, Huerden und Zuckerseiten eines Storyboards im Fruehstadium erkennen und mit Entscheidungsoptionen versehenm koennen.
  • Redakteure, die einfache und reproduzierbare Textsorten und Content-Lifecycles entwickeln koennen
  • Strategen, die ueber ein plakatives Strategiepapier hinaus Konzepte entwickeln, die auch erlebt, nicht nur erzaehlt werden koennen, die auch dann funktionieren, wenn ihre Erklaerung gerade nicht zur Hand ist.

Aber verrate ich damit gerade meinen eigenen Businessplan? Egal - denn konsequenterweise gilt auch hier: Die Idee zaehlt weniger als die Umsetzung. Und wie schon Slash sagte (oder war es Ozzy Osbourne? Oder einer von Brad Warners Helden?: "Rockstar ist ja ein ganz netter Job. Abwer manchmal habe ich trotzdem keine Lust zur Arbeit zu gehen."

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